01.04.2025

Neuausrichtung im Südkaukasus  Deutschland verliert Einfluss im Südkaukasus – sowohl in Armenien als auch in Georgien, die beide eine multivektorielle Außenpolitik anstreben und dabei sind, ihre Beziehungen zu Russland wieder aufzubessern.

german-foreign-policy.com, 1. April 2025

BERLIN/ERIWAN/TIFLIS (Eigener Bericht) – Deutschland muss bei seinen Einflussbestrebungen im Südkaukasus Rückschläge hinnehmen. Dies zeigt eine Analyse verschiedener politischer Entwicklungen in den Staaten Armenien und Georgien, die in der strategisch überaus wichtigen Region zwischen der Türkei, Russland, Iran und Zentralasien liegen. Hatte sich im Schatten des Ukrainekrieges zunächst die deutsche Präsenz in der Region ausgeweitet – unter anderem mit der Realisierung eines Einsatzes von Polizei und Militär aus der EU an der armenischen Außengrenze –, so erstarkt derzeit vor allem der russische Einfluss wieder. Armenien etwa verhandelt mit Russland über eine Ausweitung des bilateralen Handels, während Georgiens Regierung unter Premierminister Irakli Kobachidse die diplomatischen Beziehungen zu Moskau zu verbessern sucht. Zugleich steht ein EU-Einsatz in Armenien, der von einem deutschen Polizisten geleitet wird, vor dem Abzug, während Georgiens Premierminister dem deutschen Botschafter in Tiflis vorwirft, sich als „Repräsentant der radikalen Opposition“ zu gerieren. Einfluss gewinnen im Südkaukasus neben Russland vor allem China und die Vereinigten Arabischen Emirate.


Zitat: Ein Friedensvertrag als Zäsur

Am 13. März teilten die Regierungen Armeniens und Aserbaidschans mit, sie hätten sich auf einen Friedensvertrag geeinigt. Dieses Abkommen würde einen politischen Konflikt beenden, der begann, als beide Länder noch zur Sowjetunion gehörten; er zieht sich inzwischen seit über 37 Jahren hin. Bevor der Vertrag unterzeichnet werden soll, muss die armenische Regierung jedoch einige Vorbedingungen Aserbaidschans erfüllen, die das militärisch stärkere Land dem militärisch unterlegenen und ökonomisch schwächeren Armenien oktroyieren kann. Dazu gehört unter anderem die Auflösung der Minsker OSZE-Gruppe zur politischen Lösung des Konfliktes.[1] Darüber hinaus sollen keine ausländischen Polizei- und Militärkontingente mehr entlang der armenisch-aserbaidschanischen Grenze stationiert werden.[2] Das würde ein Ende des EU-Einsatzes in Armenien (EUMA) bedeuten. Die EUMA wird von einem deutschen Bundespolizisten geleitet; im vergangenen Jahr beschloss die Bundesregierung zudem eine Aufstockung des deutschen EUMA-Kontingents.[3] Ein Abzug würde einen Rückschlag für die deutsche Außenpolitik in Armenien bedeuten.


Armeniens multivektorielle Außenpolitik

Die EUMA markierte erstmals eine sicherheitspolitische Präsenz der EU in Armenien. Die verbesserten Beziehungen des südkaukasischen Landes zu EU und USA galten vielen als Zeichen einer multivektoriellen Außenpolitik, die den russischen Einfluss in Eriwan zurückdrängen würde. Bis in die Gegenwart kontrolliert der russische Geheimdienst FSB, in Russland zuständig für den Grenzschutz, Armeniens Außengrenze zur Türkei und zu Iran. An einem Grenzübergang zu letzterem Land hatte unlängst jedoch der armenische Grenzschutz die Kontrolle übernommen. Noch unter US-Präsident Joe Biden hatte zudem die US-Regierung zugesagt, eine Beratergruppe des US-Grenzschutzes nach Armenien zu entsenden. Nach dem Amtswechsel zu Donald Trump verzögerte sich dies. Mitte Januar hatten Vertreter Armeniens und der USA darüber hinaus eine „Charta über eine strategische Partnerschaft“ unterzeichnet.[4]


Russlands Rückkehr

Die neue politische Dynamik des Friedensprozesses zwischen Armenien und Aserbaidschan hat nun aber zu einem Wiedererstarken des russischen Einflusses im Südkaukasus geführt. So gab Armeniens Premierminister Nikol Paschinjan Mitte März die Order aus, die Beziehungen zwischen Eriwan und Moskau wieder zu verbessern. Eine Reihe von Treffen hochrangiger Vertreter beider Länder folgte unmittelbar. Zudem endeten die Bemühungen der armenischen Regierung abrupt, die russischen Grenztruppen zum Abzug zu drängen. Russische Regierungsstellen verhandelten darüber hinaus mit Vertretern Armeniens über die Wiederaufnahme des Sendebetriebs russischer Regierungskanäle in dem Land und über die Intensivierung des bilateralen Handels.[5] Mit dem Wiedererstarken des russischen Einflusses reduzieren sich die Handlungsoptionen für die deutsche Außenpolitik in Armenien weiter.


Medienversagen

Hinzu kommt eine Verschlechterung der Beziehungen des angrenzenden Georgiens zum Westen. Anlässlich der dortigen Parlamentswahl Ende Oktober 2024 stilisierten diverse Presseberichte in Deutschland den Urnengang zur „Schicksalswahl“ bzw. zur „Richtungswahl“ hoch.[6] Zur Wahl stehe eine „Entscheidung zwischen Putin oder EU“, hieß es etwa [7]; weitere deutsche Medien berichteten in ähnlichem Tonfall [8]. Nach dem Wahlsieg der Partei „Georgischer Traum“, die einst als sozialliberale Kraft gestartet war, mittlerweile aber rechtskonservative Positionen vertritt, titelte Spiegel online: „Putin triumphiert in Tiflis“.[9] Dieser wie auch die meisten anderen Artikel ignorierten wesentliche Fakten der georgisch-russischen Beziehungen seit dem Jahr 2008. Seitdem existieren keine diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern mehr; in Georgien gilt mit Blick auf die abtrünnigen De-facto-Republiken Abchasien und Südossetien das auch gegen Russland gerichtete „Gesetz über die besetzten Gebiete“; in der UN stimmten die Vertreter Georgiens konsequent für die Verurteilung des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Zwar gibt es seit dem Jahr 2012 einen Normalisierungsprozess zwischen Georgien und Russland, seit einigen Jahren auch wieder Handel in etwas größerem Umfang und seit 2023 erneut Visafreiheit; doch sind beide Regierungen weiterhin weit davon entfernt, die bilateralen Beziehungen zu normalisieren. Von einer ernsthaften Anlehnung Georgiens an Russland kann keine Rede sein.


Ausländische Einflussnahme

Unmittelbar nach den Parlamentswahlen in Georgien verschlechterten sich die Beziehungen des Landes zu einer Reihe westlicher Staaten, allen voran zu Deutschland und zu den USA. Im Verlauf des Urnengangs war es tatsächlich zu mehreren Fällen ausländischer Einflussnahme gekommen. Während große Teile der deutschen Medien sich auf eine angebliche Einflussnahme Russlands konzentrierten, hatten offenbar die Regierungen des EU-Mitglieds Ungarns sowie Aserbaidschans, eines engen Alliierten des NATO-Staates Türkei, der georgischen Regierung auswärtige Hilfe geleistet.[10] Nach dem Urnengang verabschiedete das Europaparlament eine Erklärung, in der es das offizielle Ergebnis nicht anerkannte und eine Wiederholung der Wahl binnen eines Jahres forderte. Der georgische Premierminister Irakli Kobachidse kündigte daraufhin an, seine Regierung werde die EU-Beitrittsgespräche bis zum Jahr 2028 unterbrechen – ein schwerer Rückschlag für Berlin.[11] Darüber hinaus setzte die US-Regierung unter Präsident Biden noch kurz vor dem Amtswechsel in Washington die „Charta über eine strategische Partnerschaft“ mit Georgien außer Kraft.[12]


„Repräsentant der Opposition“

In Georgien kann Deutschland – anders als in Armenien –auf eine jahrzehntelange kulturelle Einflussarbeit zurückblicken. Mehrere georgische Spitzenpolitiker, unter anderem Premierminister Kobachidse und Parlamentspräsident Schalwa Papuaschwili, haben deutsche Universitätsabschlüsse. Papuaschwili hat darüber hinaus nach eigenen Angaben über ein Jahrzehnt lang für die bundeseigene Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in verschiedenen Funktionen gearbeitet.[13] Unter anderem leitete er das georgische Team im GIZ-Büro in der Hauptstadt Tiflis.[14] Auch vor diesem Hintergrund warf Premierminister Kobachidse dem deutschen Botschafter in Tiflis, Peter Fischer, vor, die traditionell freundschaftlichen Beziehungen zwischen Georgien und Deutschland mit der Kritik an der georgischen Parlamentswahl zu schädigen. Fischer handle nicht als diplomatischer Vertreter, sondern als „Repräsentant der radikalen Opposition“, erklärte Kobachidse.[15]


Georgiens neue Partner

Die georgische Regierung verfolgt unter der Regierungspartei „Georgischer Traum“ seit einigen Jahren – wie seit kurzem auch die armenische Regierung – eine multivektorielle Außenpolitik. So strebt sie trotz aller weiterhin bestehenden Spannungen eine Normalisierung der diplomatischen Beziehungen mit Russland an. Im Jahr 2016 hat Georgien darüber hinaus ein Freihandelsabkommen mit China geschlossen; seit 2020 gehen die meisten georgischen Exporte in die Volksrepublik, und seit demselben Jahr sind beide Länder durch eine „strategische Partnerschaft“ verbunden.[16] Seit einigen Jahren ist Georgien zudem ein Schwerpunktland von Investitionen arabischer Golfstaaten. So erwarb jüngst eine Firma aus den Vereinigten Arabischen Emiraten den Mehrheitsanteil an einem Güterverkehrszentrum in Tiflis; dies deutet darauf hin, dass die Emirate eine stärkere Stellung im sogenannten „Mittleren Korridor“ einnehmen wollen, der aus Zentralasien durch den Südkaukasus nach Europa verläuft. Die emiratische Regierung unterstützt zudem die Nutzung von Solarkraft in Georgien. Seit Oktober 2023 verbindet ein umfassendes Wirtschaftspartnerschaftsabkommen beide Länder.[17] Die zunehmende Hinwendung der georgischen Außenpolitik zu Ländern wie Russland, China und den Vereinigten Arabischen Emiraten bedeutet ebenfalls einen Rückschlag für die deutsche Einflusspolitik im Südkaukasus.

 

[1] Armenia rushes to reengage Russia, aiming to outflank Azerbaijan. eurasianet.org 25.03.2025.

[2] Thomas de Waal: Armenia and Azerbaijan’s Major Step Forward. carnegieendowment.org 17.03.2025.

[3] S. dazu Zwischen den Stühlen (II).

[4] Onnik James Krikorian: New Armenia-U.S. Partnership On Pause. jamestown.org 03.03.2025.

[5] Armenia rushes to reengage Russia, aiming to outflank Azerbaijan. eurasianet.org 25.03.2025.

[6] Oxana Evdokimova, Maria Katamadze: Schicksalswahl in Georgien: Wohin steuert das Land?, dw.com 20.10.2024. Schicksalswahl in Georgien – Europa oder Putin? tagesschau.de 24.10.2024. Felix Klauser: Schicksalswahl für Georgien,;zdf.de 25.10.2024. Florian Naumann: Putin oder EU: Drei Szenarien für die Schicksalswahl in Georgien – „Was macht ihr dann?“ merkur.de 26.10.2024.

[7] Thomas Franke: Entscheidung zwischen Putin oder EU. deutschlandfunkkultur.de 20.10.2024.

[8] Christian F. Trippe: Russland oder EU? Georgien vor der Zerreißprobe. dw.com 16.09.2024. EU oder Russland – welche Richtung schlägt Georgien ein? deutschlandfunk.de 29.10.2024. Reinhard Veser: Ein Land entscheidet zwischen Russland und der EU. faz.net 25.10.2024.

[9] Ann-Dorit Boy: Putin triumphiert in Tiflis. spiegel.de 28.10.2024.

[10] Neil Hauer: Georgia’s Armenians and Azerbaijanis: an easy target for Georgian Dream vote manipulation. intellinews.com 18.11.2024. Nate Ostiller: Did Hungary help hand Georgian Dream victory in the disputed parliamentary elections? oc-media.org 08.02.2025.

[11] Georgia to suspend EU accession talks until 2028. aljazeera.com 28.11.2024.

[12] Onnik James Krikorian: New Armenia-U.S. Partnership On Pause. jamestown.org 03.03.2025.

[13] შალვა პაპუაშვილი, nplg.gov.ge (ohne Datum).

[14] Papuashvili Elected as New Parliament Speaker, civil.ge 29.12.2021.

[15] Beka Chedia: Russian Intelligence Strategizes to Keep Georgian Dream in Power. jamestown.org 12.03.2025.

[16] David X. Noack: Eine georgisch-russische Annäherung?, in: WeltTrends – Das außenpolitische Journal, Jg. 32 (2024), Nr. 201, S. 9–11 (hier: S. 11).

[17] Emil Avdaliani: Georgia and Azerbaijan Expand Engagement With Middle East. jamestown.org 05.02.2025.





Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/9930


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

31.03.2025

ARD Mediathek   Wie Flurbereinigung und Strukturwandel zum Dorfsterben führten

Der letzte Laden hat geschlossen, Wahmbeck Weser. © NDR/Chrstiane Schuhbert TV

ndr.de, Stand: vom 29.03.2025 05:00 Uhr, von Andreas Orth und Britta Probol


Mit der Flurbereinigung ab Mitte der 50er-Jahre und dem Strukturwandel in der Landwirtschaft verschwanden kleine Höfe, Läden, Gaststätten - und die Jugend. Das Dorf galt zunehmend als rückständig. Hat das Landleben noch Zukunft?


Über Jahrhunderte war das Dorf Lebensmittelpunkt der meisten Menschen - der Ort, wo man schlief, aß, arbeitete und feierte. In den 1960er-Jahren änderte sich das massiv: Aus lebendigen Gemeinden wurden sogenannte Schlafdörfer. Menschen pendelten zum Arbeiten in die Städte oder zogen ganz fort, Läden und Gehöfte wurden verlassen. Was von den Bomben des Zweiten Weltkriegs verschont worden war, wurde platt gemacht, weil es in die damaligen Konzepte des moderne Lebens nicht mehr hineinpasste.


Flurbereinigung und Industrialisierung des Ackers

Kartoffelernte 1989 auf einem Feld der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) Cottbus-Nord. © picture-alliance / dpa Foto: ADN Zentralbild

Große Maschinen erleichterten die moderne Nahrungsmittelproduktion - hier bei der Kartoffelernte einer LPG 1989.

Die Industrialisierung hatte bereits im 19. Jahrhundert eingesetzt und verstärkte sich nun auch in den Dörfern: Mit Maschinen ist Arbeit schneller und billiger zu leisten, auch auf dem Acker. Und je größer das Feld, desto effizienter ist es zu bestellen. Rationalisierung ermöglicht Wachstum - deshalb galt es, den Boden neu zu organisieren. Im Osten sollte das im Zuge von Enteignung und Bodenreform geschehen, im Westen durch die Flurbereinigung, deren gesetzliche Grundlage am 1. Januar 1954 in Kraft getreten ist:

Zur Förderung der landwirtschaftlichen und forstwirtschaftlichen Erzeugung und der allgemeinen Landeskultur kann zersplitterter oder unwirtschaftlich geformter ländlicher Grundbesitz nach neuzeitlichen betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten zusammengelegt, wirtschaftlich gestaltet und durch andere landeskulturelle Maßnahmen verbessert werden (Flurbereinigung). § 1 Flurbereinigungsgesetz (FlurbG) von 1953


"Wachse oder weiche!" - Kleinbauern geben auf

Luftbild von Feldern vor der Flurbereinigung um 1960 © picture alliance / blickwinkel/Luftbild Bertram Foto: Luftbild Bertram

Vor der Flurbereinigung waren viele Felder noch klein und verliefen krumm und schief zueinander - wie hier auf einer Aufnahme um 1960.

Was das hieß? Bis nach dem Krieg verfügten viele Bauern über kleine Flächen, die rund ums Dorf verstreut waren. Nun sollten die bunten Flickenteppiche aus versprengten Flurstückchen zu großen Flächen zusammengelegt werden - und das erregte Unmut. Einerseits mussten die Bauern einen erheblichen Teil selbst bezahlen. Dazu kam das Gefühl, gar nicht gefragt zu werden von den "hohen Tieren" in den Behörden.

In vielen Dörfern begann mit dem Flurbereinigungsgesetz ein jahrelanges Geschacher um die ertragreichsten Böden. Von der Zusammenlegung bis in die 1970er-Jahre (https://www.ndr.de/geschichte/70er-Jahre-Katastrophen-Terror-und-Atomkraft,siebzigerjahre168.html) profitierten meist die Bauern, die ohnehin viel Land besaßen. Viele Kleinbauern konnten sich teure Maschinen für die effektive Bewirtschaftung großer Flächen gar nicht leisten und gaben auf. "Wachse oder weiche!" - das galt kompromisslos im Strukturwandel der Landwirtschaft. Bis 1978 verschwanden in der Bundesrepublik so eine Million Kleinbetriebe.

Für die verbliebenen Bauern gab es wenig Risiko und wenig Marktwirtschaft, denn der Sektor wurde hoch subventioniert. Als Ergebnis produzierte die EG-Landwirtschaft die viel gescholtenen "Butterberge" und "Milchseen". In der DDR verwalteten LPGs - Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften - den sozialistischen Ackerbau.

Mit der Flurbereinigung kommt das Artensterben

Ein Hund läuft über ein abgeerntetes Feld am Rande eines Knicks. © picture alliance / dpa Foto: Markus Scholz

Die Knicks sind Lebensraum für zahllose Tierarten. Etliche davon mussten der Flurbereinigung weichen.

Für die Natur war die Rationalisierung in der Landwirtschaft verheerend. Grüne Wallhecken und kleine Gehölze, sogenannte Knicks, hatten seit Jahrhunderten die Felder getrennt, boten Tier und Mensch Schatten und Schutz. Der Ruf "Jetzt komm mal langsam aus'm Knick" trieb Generationen zurück an die Arbeit, aufs Feld. Nun wurden die Sträucher für große Ackerflächen abgeholzt. Allein in Schleswig-Holstein verschwanden zwischen 1950 und 1980 mindestens 28.000 Kilometer Knicks - und damit auch zahlreiche Vogel- und Insektenarten, die ihren Lebensraum verloren hatten.


Entwässerung und Flussbegradigung: Tiefe Eingriffe ins Ökosystem

Der begradigt Fluss Ise südlich von Wahrenholz, aufgenommen 1989. Rechts und links des Flusses verlaufen jeweils Grünstreifen und Kornfelder. © Aktion Fischotterschutz e.V

Durch Begradigung und Kanalisation ändert sich die Fließgeschwindigkeit von Gewässern - und damit das Ökosystem.

Allenthalben rückten Bagger an. Um den Boden besser nutzbar zu machen, wurden Entwässerungsgräben ausgehoben und Fließgewässer begradigt. Heute sind 63 Prozent aller Bäche und Flüsse in Deutschland teilkanalisiert, mit Sperren oder anderweitigen Eingriffen versehen. 2015 stellte das Umweltbundesamt in einer Untersuchung fest, nur noch sieben Prozent der Flüsse und Bäche seien in einem ökologisch guten Zustand oder hätten gutes Potenzial.

Die meisten Moore - im natürlichen Zustand wichtige CO2-Speicher - wurden trocken gelegt. In Mecklenburg-Vorpommern sind entwässerte Moore der größte Einzelverursacher von Treibhausgasen.


Storch auf einer Weide neben einem großen Heuballen (1964)  1 Min

So war das: Fischbeker Moor wird trocken gelegt (stumm)

Drei Männer mit Gabeln und Spaten bei der Arbeit im Moor 1960  3 Min

So war das: Moorkultivierung im Emsland (stumm)

Die Denaturierung der Landschaft hatte damals ungeahnte Folgen. Grundwasserspiegel sanken, Fundamente brachten, Häuser sackten weg. Die Bodenerosion nahm zu: Bei starkem Regen wird die nährstoffreiche obere Bodenschicht fortgeschwemmt, bei Trockenheit und Wind entstehen Sandstürme.


Straßenbau statt Ackerbau

Die Motorisierung nahm rasant zu, ab Mitte der 1960er-Jahre waren Autos im Zuge des Wirtschaftswunders keine Luxusgüter mehr. Immer mehr Haushalte leisteten sich einen Pkw, und in den Aus- und Neubau von Straßen investierten Bund und Länder jedes Jahr mehr. Neue Bundesstraßen teilten die Dörfer, Bäume fielen zugunsten von Parkplätzen. Eingekauft und gearbeitet wurde zunehmend in der nächsten Stadt. Die Pendlerpauschale beschleunigte das.


Zeitgeist: Aus "traditionsreich" wird "altbacken"

Diese Hausruine hat Peter Meißner aus Wittenförden fotografiert. © NDR Foto: Peter Meißner aus Wittenförden

Fachwerkhäuser kamen im Zuge des Strukturwandels aus der Mode, verfielen oder wurden abgerissen.

Aus den Städten brachten die Pendler neben Geld auch neue Erfahrungen und Lebensvorstellungen mit ins Dorf. Die Ansprüche stiegen, man wollte sich etwas leisten. Traditionelles wirkte plötzlich altbacken. "Der bäuerliche Fachwerk-Plunder stört nur beim Herzeigen der Früchte eines neuen bürgerlichen Wohlstands", ätzte schon damals Umweltschützer und Publizist Horst Stern. Das Geringschätzen alter Bausubstanz entsprach dem Zeitgeist der 1960er und 1970er. Denkmalschützer interessierten sich für Burgen und Schlösser - nicht aber für den gewachsenen Dorfkern.


Abriss alter Dorfkerne - Neubau von Siedlungen

Ein weißer Bungalow hinter grünen Hecken. © NDR Foto: Lars Gröning

Im Freilichtmuseum Kiekeberg zeigt die "Königsberger Straße" das Wohnen im Nachkriegswesten.

Eine gesichtslose "Maurerarchitektur" breitete sich aus, ersetzte Fachwerkhäuser und reetgedeckte Höfe. Wer mit der Zeit ging, zog in einen Bungalow oder bestellte sich ein Fertighaus. Fast jedes Dorf hatte in der Nachkriegszeit sein eigenes Neubaugebiet, auch weil Hunderttausende Geflüchtete und Vertriebene unterzubringen waren. Die Zugezogenen veränderten die gewachsene Gemeinschaft.


Die Dörfer bluten aus

Doch trotz Zuzugs: Das Alltagsleben verlagerte sich immer mehr in die Städte, in den Dörfern erloschen die Lichter. Tante-Emma-Läden machten dicht, sie konnten mit den Preisen der großen Supermärkte auf der grünen Wiese nicht konkurrieren. Da die Kunden abwanderten, fanden sich keine Nachfolger mehr für die Geschäfte. Das gleiche Schicksal traf Schuster und Uhrmacher, Bäckereien, Gasthäuser und kleine Brauereien. Die Steuereinnahmen sanken.


Gemeindereform: Zentralisierung von Verwaltung und Schule

Unterricht in einer Dorfschule der 1950er-Jahre © picture-alliance / dpa

In den 1950ern waren sie voller Leben - um 1980 hatten die Dorfschulen ausgedient.

Wie mit der Flurbereinigung, so wollte man auch mit der Gebietsreform Kosten und Arbeit sparen. Kleine Gemeinden sollten sich zu größeren vereinen - durch Verschmelzung oder die Bildung von Samtgemeinden. 16.000 Gemeinden verloren im Westen allein bis Ende der 1970er-Jahre ihre Eigenständigkeit, ehrenamtliche Ortsvorsteher verloren ihre Funktion.


Was die Bürger brauchten, sollten sie in zentralen Orten finden: Ämter, Bildung, Seelsorge. Vielerorts kam der Pastor nur noch alle drei Wochen. Dorfschulen wurden geschlossen, kleine Klassen und gemeinsamer Unterricht für mehrere Jahrgangsstufen galten als rückständig. Für die Kinder des Wirtschaftswunders und die Babyboomer entstanden Schulzentren aus Beton.

Landflucht der Jugend

Alter Kaugummi-Automat an einer Hauswand. © NDR

Relikt aus alten Tagen: In vielen Dörfern leben keine Kinder mehr, die sich hier noch bedienen könnten.

Nach der Schule jedoch verließ die Jugend das Land. Zurück blieben die Alten. Mittlerweile leben bundesweit nur noch etwa fünf Prozent der Bevölkerung in kleinen Dörfern, Ende der 1960er waren es noch rund fünfmal so viele Menschen. Leerstand macht sich breit, Landstriche drohen zu veröden - etwa in Vorpommern oder im Harz. Doch wenn die Jugend geht, wer versorgt dann die Alten?

Renaissance des Landlebens durch das Internet?

In jüngster Zeit zeigt sich eine Trendwende. Partiell tut sich etwas, Ruhe und Natur werden wiederentdeckt, manche Dörfer blühen neu auf. Wie die Industrialisierung einst Arbeitskräfte in die Städte sog, so könnte die Digitalisierung zum Ausgangspunkt einer Gegenbewegung werden. Dorfläden und Kneipen entstehen neu, nicht selten gemeinschaftlich betrieben. Wo vorhanden, lockt schnelles Internet diejenigen, die die Enge der Stadt und die dortigen hohen Kosten satt haben - ein Trend, der mit der Corona-Krise und der Etablierung von Homeoffice-Arbeit wie auch durch die Explosion der innerstädtischen Mietkosten an Fahrt gewonnen hat. Junge Familien etwa reaktivieren alte Gehöfte und betreiben ökologischen Landbau.

Arbeiten, essen, schlafen und feiern auf dem Land: Für viele ist das zunehmend attraktiv, wenn die Basis-Infrastruktur stimmt. Das Dorf hat wieder Zukunft.


Altes Bild aus dem Kreisarchiv Nordfriesland, das ein Auto auf dem überfluteten Marschboden zeigt. © Kreisarchiv Nordfriesland

"Programm Nord": Die große Wende für Schleswig-Holstein


Straßen, Wasser und Strom: Mit dem "Programm Nord" begann vor 70 Jahren ein Prozess, der das Leben im Norden revolutionierte.



Ottomeyer-Pflug beim Einsatz im Emsland © Kreisarchiv Emsland

Wie das Emsland vom "Armenhaus" zur Boom-Region wurde


Am 5. Mai 1950 beschließt der Bundestag den Emslandplan. Dadurch mausert sich die Region vom "Armenhaus der Republik" zur Boom-Region.



Zwei Bauern nehmen ein geschlachtetes Schwein aus. © Archiv Ortsheimatpflege Güntersen

Landleben gestern und heute


Romantische Klischees prägen häufig noch das Bild vom Leben auf dem Land. Doch die Realität sah schon immer anders aus.






Blick auf moderne Wohnhäuser und ein Wasserbecken in Neu-Altona (Holstenstraße) in den 1960er-Jahren. © Neue Heimat, Hamburgisches Architekturarchiv

Aus Bombentrümmern zur Vision der "neuen" Stadt


Zerstörte Städte bieten Architekten in der Nachkriegszeit Raum für Utopien. Historische Gebäude stören in ihren Plänen eher.




So sah der Mohr-Hof früher aus.

Gegen die Landflucht: Neues Leben für alte Dörfer Owschlag und Borgstedt liegen in Schleswig-Holstein. Beide Orte waren Bauerndörfer, Landflucht und Dorfsterben drohten. Aber die beiden Dörfer steuern dagegen an - erfolgreich.



Dieses Thema im Programm:

Unsere Geschichte | 29.03.2025 | 12:00 Uhr


Info: https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/Wie-Flurbereinigung-und-Strukturwandel-zum-Dorfsterben-fuehrten,doerferniedergang100.html?utm_source=firefox-newtab-de-de


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

31.03.2025

Bedrohungslügner, Kriegsgurgeln und Hirn-Tot-Schläger

seniora.org, 31.03.2025 Von Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam - Mit freundlicher Genehmigung der Autoren

Die Angstmacherei vorm „russischen Angriffskrieg“ ist ein fieses Ablenkmanöver von den westeuropäischen Kriegsplänen gegen Russland


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Kriegsängste schüren und Geld scheffeln - Die Atlantikbrücke ist immer dabei

Sigmar Gabriel, abgehalfterter Ex (-Vizekanzler, -Außenminister, -SPD-Vorsitzender), pisst von der Atlantik-Brücke (gegen den Wind): „Wäre ich Putin, würde ich schon 2028 kommen.“  Zu unserem und der Russen Glück ist er es nicht, sondern bloß ein Sozi aus deren Stahlhelm-Fraktion. Erschwerend kommt hinzu: Er sitzt für fettes Honorar in den Aufsichtsräten kriegswichtiger Unternehmen, zum Beispiel der Deutschen Bank, der Siemens Energy Global, der thyssenkrupp Steel Europe und der Daimler Truck Holding. Kriegsängste schüren liegt in deren Geschäftsinteresse. Krieg ist ihr Ersatzbegriff für immensen Profit. Sozis von Gabriels Schlage haben das längst verinnerlicht.

Weder lernwillig noch lernfähig   – schlicht empathielos. Dass bereits zwei deutsche Russland-Feldzüge in neuerer Zeit in Katastrophen mit Millionen Toten endeten, stört sie nicht. Im Ersten Weltkrieg bramarbasierten die Vertreter des Geldadels vom „unausweichlichen Kampf zwischen Germanentum und Slawentum“. Bekanntlich stimmte die SPD damals den Kriegskrediten zu, mit denen das ersehnte Abschlachten finanziert wurde. 23 Jahre später machten die von den Konservativen an die Macht gehievten Nazis weiter. Mit der gleichen Propagandalüge, der „Gefahr aus dem Osten“: 

„In diesem gemeinsamen Kampf um die gemeinsame Existenz müssen Meinungsverschiedenheiten innerhalb der europäischen Staatengemeinschaft zurücktreten und muss die Pflicht lebendig werden, die gemeinsame Front zu bilden gegenüber dem roten Weltfeind“. (Das Nazi-Blatt Völkischer Beobachter am 16. Juni 1937. Quelle: „Die Bedrohungslüge“, G. Kade, 2. Auflage 1980, S.106).

Man ersetze „roter Weltfeind“ mit „Machthaber Putin“, schon ist man mittendrin in der Rhetorik unserer Gegenwart. Wir wollen keinen Zweifel lassen, wes Geistes Kind die Zeitgenossen sind, die den Schmarren „der Russe bedroht Europa“ neuerdings in Umlauf brachten   – und welche bösen Hintergedanken sie dabei haben. Deshalb das Zitat eines der schlimmsten Demagogen der Zeitgeschichte: 

„Es ist nunmehr notwendig, das deutsche Volk psychologisch allmählich umzustellen und ihm langsam klarzumachen ist, dass es Dinge gibt, die, wenn sie nicht mit friedlichen Mitteln durchgesetzt werden können, mit Mitteln der Gewalt durchgesetzt werden müssen … dazu war es notwendig, nicht nur die Gewalt als solche zu propagieren, sondern dem deutschen Volk bestimmte außenpolitische Ereignisse so zu beleuchten, dass die innere Stimme des Volkes selbst langsam nach der Gewalt zu schreien beginnt …“ (Adolf Hitler vor der deutschen Presse am 10. November 1938. Quelle: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Heft 2/1958, S.182 ff)

Seit Jahrzehnten pinseln journalistische Agitatoren wie Udo Lielischkies, Sylvia Stöber, Ina Ruck, Sabine Adler, Golineh Atai, Thomas Roth und Demian van Osten das Feindbild Russland. Ihre Farbmischung: Unterstellungen, Lügengeschichten, (Heldenlegende Nawalny, Vergiftungssaga Skripal, Räuberpistole „Cyberattacken“). Die deutschen Systemmedien, angeführt vom „Flaggschiff“ ARD-Tagesschau, waren sich für keine Falschmünzerei zu schade.

Wir sind wieder so weit

Wenn irgendein unbedarftes Hornvieh blökt, der „autoritäre“ Putin werde demnächst Krieg gegen Westeuropa und speziell gegen Deutschland führen, dann sind allemal genug hirnrissige Journalisten zur Stelle, um das abzumelken und zu Nachrichtenkäse zu verarbeiten.

Diesen von logischen Denkprozessen und politischer Sachkenntnis weit entfernten beruflichen Ausfallerscheinungen ist es egal, welchen niederträchtigen Interessen sie dienen: der planvollen Umstellung auf Kriegswirtschaft und Kriegsfinanzierung, der Ablenkung vom „notwendigen“ Sozialabbau und damit der Profitgier der Rüstungswirtschaft und ihrer Aktionäre.

Das ganze Elend wird manchmal schlaglichtartig sichtbar. Die bayerische Gesundheitsministerin Gerlach forderte kürzlich ein bundesweites Programm zur medizinischen Versorgung im Kriegsfall. Hintergrund sei

„die militärische Bedrohung durch Russland und eine mögliche Abkehr der USA durch Donald Trump.“

Na bitte. Und niemand fragt zurück, wann die Frau selbst das letzte Mal beim Arzt war.

Dass deutsche Friedenspolitik erheblich preiswerter und sinnvoller sein könnte als der Bau von Lazaretten für Kriegsversehrte, kommt bei solchen Tönen niemandem mehr in den Sinn. Obwohl die gedanklichen Parallelen zur kriegsvorbereitenden AgitProp der Nazis kaum zu übersehen sind. Dass hierzulande schon viele neofaschistische Kulissen geschoben werden, stört die Journaille nicht. Sie schiebt selber mit.

Der erst wenige Monate alte Vorwurf, die Russen planten noch in diesem Jahrzehnt einen „Krieg gegen uns“, wurde planmäßig und skrupellos ins öffentliche Gedächtnis gedrückt. Das lässt sich vom ersten Auftauchen an nachvollziehen. 

Als Russlands „militärische Sonderoperation“ gegen die Ukraine begann, war nirgendwo von einer russischen Kriegsdrohung gegenüber Resteuropa die Rede. Im Gegenteil, es herrschte eine eher abwartende und distanzierte Haltung vor, wie ein Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages widerspiegelt: 

„...die wichtigsten außen- und sicherheitspolitischen Ziele Russlands sind … internationales Prestige und eine internationale Führungsrolle … der Status einer globalen Wirtschaftsmacht mit einem der höchsten Bruttoinlandsprodukte der Welt. Diese Ziele will Russland unter anderem durch Mitarbeit und Kooperation in internationalen Organisationen erreichen“.

Auch die unsägliche frühere Bundestagspräsidentin Bärbel Bas, SPD, sprach vor drei Jahren (mit Blick auf das damals gewünschte 100-Milliarden-Euro-„Sondervermögen“ zum Aufmotzen der Bundeswehr) noch nicht von der Gefahr eines russischen Angriffs, sondern betonte, dass die Schuldenmacherei nur der Verbesserung der deutschen Verteidigungsfähigkeit diene:  

„Eine angemessene Ausstattung ist essenziell für unseren Schutz und den unserer Bündnispartner.“

Besen im Hosenanzug

Dass von russischen Kriegsdrohungen im Frühjahr 2023 noch keine Rede war und sie selbst nichts dergleichen wahrgenommen hatte, ließ auch EU-Präsidentin von der Leyen erkennen. Bis zum Kragen abgefüllt mit Russenhass, tönte sie: 

„Diese Sanktionen, die treffen Präsident Putin ins Mark und nehmen ihm die Möglichkeit, diese brutalen Kriege, die er führt, weiterzufinanzieren.“ 

Vier Monate später zeigte sie noch deutlicher, wer da wem mit Drohungen statt Diplomatie begegnete: Sie sei fest davon überzeugt, dass man den russischen Präsidenten Wladimir Putin mit Mut und Solidarität zum Scheitern bringen werde und Europa am Ende die Oberhand gewinne.

„Ich möchte keinen Zweifel daran lassen, dass die Sanktionen von Dauer sein werden … die schärfsten Sanktionen, die die Welt je gesehen hat.

Vom Verdacht russischer Angriffspläne gegen das restliche Europa kein Wort. Prowestliche Siegesgewissheit erlaubte gar keine Aussage, Russland stelle eine Bedrohung dar. Überheblichkeit war vielmehr journalistischer Standard, sogar noch im Spätsommer vorigen Jahres:  

„Während die Wirtschaft leidet, gehen Putin die Reserven und Soldaten aus. Der Kreml könnte gezwungen sein, im kommenden Jahr den Waffenstillstand zu suchen.“ 

Das war so realistisch wie die Behauptung, Schaukelpferdäpfel gäb’s auch beim Bio-Bauern. „Putin verliert“, wurde allen Ernstes behauptet   – bis SPD-Minister Pistorius seinen inzwischen „historischen“ Furz im ZDF-Parfümladen „Berlin direkt“ fahren ließ. Ohne Vorwarnung, am 30. Oktober 23: 

„Wir müssen uns wieder an den Gedanken gewöhnen, dass die Gefahr eines Krieges in Europa drohen könnte. Und das heißt: Wir müssen kriegstüchtig werden. Wir müssen wehrhaft sein. Und die Bundeswehr und die Gesellschaft dafür aufstellen.“

Aus dem hohlen Bauch

Ein Tabubruch, keine Frage. Doch erwähnte Pistorius Russland mit keinem Wort   – dafür war er zu schlau. Er „lieferte“ unausgesprochen; er konnte sich darauf verlassen, dass schon genügend Redaktionsbleistifte schnallten, was „dabei gedacht“ war, und dass sie prompt die Russen der Kriegsbrunst bezichtigen würden. Beweise hätte er ja nicht beibringen können. Er schwadronierte nur im Kontext dieser westlichen Geheimdienstspekulationen: Es könnte sein / es wäre denkbar / man könne nicht ausschließen   – dass Russland über das für seinen Kampf gegen die Ukraine notwendige Maß hinaus aufrüste und eine spätere Konfrontation mit der NATO suche.

Nichts als Kaffeesatzleserei im Stil der Geheimdienste, zu deren Handwerk das Erfinden von Gefahren gehört. Sie wickeln ihre parlamentarischen Auftraggeber ein. Bitte anschnallen:

Geheimdienste schulen Bundestagsabgeordnete. Die Bundestagsfraktionen von CDU/CSU, Grünen und SPD … Als Gäste werden Bruno Kahl, Präsident des Bundesnachrichtendienstes, und Sinan Selen, Vize-Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, erwartet. … ‚Wir sind in Deutschland seit Langem mit andauernden Angriffen konfrontiert‘, sagte Grünen-Fraktionsmanagerin Irene Mihalic.“ 

Hochverehrte Volksvertreter! Es sollte Ihr Basiswissen sein, dass „Demokratie“ und „Geheimdienst“ sich im Prinzip gegenseitig ausschließen. Und dass es Ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit ist, die diversen deutschen Geheimpolizeien genauestens zu kontrollieren, wenn Sie schon meinen, nicht auf sie verzichten zu dürfen. Sich von diesen finsteren Brüdern schulen zu lassen, ist ein Offenbarungseid. Besagte Geheimdienst-Experten konnten ja nicht mal Bundeskanzlerin Merkels Diensttelefon vor den Spionen der Amis schützen. Bis heute kriegen sie es nicht auf die Reihe, diese NSA- und CIA-Schnüffler abzuwehren …

Vom Frieden bedroht

Die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik, GDAP, machte im Sommer letzten Jahres den Zünder für die Entwicklung der Bedrohungslüge sichtbar. Den Grund dafür, Kriegsangst zu schüren und damit plötzlich irrsinnige Rüstungsanstrengungen durchsetzbar zu machen: der befürchtete Wahlsieg des US-Präsidenten Trump und dessen Ankündigung, den Ukraine-Krieg sofort beenden zu wollen. 

Entspannung mit Moskau? Der Albtraum für deutsche Kriegsgewinnler. Er rief die akademischen Gesinnungsfreunde von der DGAP auf den Plan. Deren Empfehlung:   

„Im Fall eines Wahlsiegs von Trump sollten sie (die europäischen Regierungen) auf seinen transaktionalen Politikstil eingehen, aber deutlich machen, dass sie keine Verhandlungslösungen akzeptieren … Deutschland und die europäischen Regierungen müssen ihre Bemühungen zur Unterstützung der Ukraine verstärken, beschleunigen und verstetigen. … Zugleich ist es entscheidend, die europäische Bevölkerung weiterhin davon zu überzeugen, dass die langfristige Unterstützung einer freien und unabhängigen Ukraine im eigenen Interesse liegt.“

Dass die „langfristige Unterstützung“ darauf hinausläuft, den täglichen qualvollen Tod und die Verstümmelung Abertausender Mitmenschen zu finanzieren, kümmert GDAP-Schreibtischkrieger nicht. Aber auch zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ihrer „Expertise“   – 18. Juni 2024   – war von russischer Angriffsgefahr für Westeuropa förmlich noch keine Rede. Im Gegenteil: Es galt das Wort des damaligen NATO-Generalsekretärs Jens Stoltenberg:

„Wir stellen keine direkten Drohungen (aus Russland) gegenüber einem der Bündnismitglieder fest … Nach dem Ende der Feindseligkeiten (in der Ukraine) kann Russland seine Stärke wiederherstellen, aber das bedeutet nicht, dass wir einer direkten Bedrohung… ausgesetzt sind.

Der Zeitrahmen-Konstrukteur

Dem DGAP-„Experten“ Christian Mölling blieb es vorbehalten, zu konkretisieren, was der „kriegstüchtig“-Pistorius gemeint haben könnte: Mölling nannte erstmals einen Zeitrahmen („sechs bis acht Jahre“) für den Beginn eines russischen Angriffskriegs und fantasierte die Notwendigkeit herbei, die Bevölkerung kriegsbereit zu machen. 

Mölling hatte sich nicht mal 2023 vom Milliarden-„Wumms“ für die Bundeswehr ruhigstellen lassen:  

Das, was an „Kriegsniveau, Kriegsfähigkeit oder Verteidigungsfähigkeit“ notwendig sei, um Russland von einem Angriff abzuhalten oder im Angriffsfall bereits an der Nato-Grenze stoppen zu können, sei zurzeit nicht gegeben. Es fehle an Material, Soldaten und vielen Kleinigkeiten“.

Der Mann weiß, dass er mit seinem Alarmismus Kohle machen kann, ob bei der staatlich finanzierten Stiftung für Wissenschaft und Politik, beim German Marshall Fund of the United States, bei der ebenfalls staatlich und überdies von der Rüstungsindustrie finanzierten Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik oder neuerdings bei der Bertelsmann Stiftung.

Auszug aus dem DGAP Policy Brief:

„Das Fenster zu einem möglichen russischen Angriff öffnet sich, sobald Russland den Eindruck hat, ein Angriff, etwa im Baltikum, könnte erfolgreich sein … Experten und Geheimdienste schätzen, dass Russland sechs bis zehn Jahre brauchen wird, um seine Armee so weit wiederaufzubauen, dass es einen Angriff auf die NATO wagen könnte.“

Reine Behauptungen. Nicht auf Fakten gestützt, sondern auf „opportune Zeugen“,  „Experten“ und „Erkenntnisse“ der Geheimdienste. Keine Analyse, sondern eine Berufung auf die Schwarmdummheit. 

Angriff als beste Verteidigung

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, Kernstück des zensur-industriellen Komplexes, bot sich als der gegebene Tummelplatz für Hetzer und Kriegstreiber an. Ihr „Wir müssen kriegstüchtig werden, in ein paar Jahren kommt der Russe,“ wurde zum Ohrwurm. Der ranghöchste deutsche Soldat, Generalinspekteur Carsten Breuer, knapp 60 Jahre alt, wäre vor seiner Pensionierung wohl gerne wenigstens kurz noch mit von der Partie; er zog daher den Beginn für Iwans Angriff ein wenig vor. „Fünf bis acht Jahre“. Und ließ keinen Zweifel dran aufkommen, dass er es krachen lassen möchte:  

„Kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen, ist nicht mehr genug.“ 

Sondern? Selbst angreifen, um endlich nicht mehr nur über Verteidigungsbereitschaft quatschen zu dürfen? Jawoll, Herr General! Feuer! 

Der Mann ist bloß fleischgewordener Zeitenwende-Geist. Kanzlerkandidat Friedrich Merz:

„Es ist nämlich ein Krieg gegen Europa und nicht nur ein Krieg gegen die territoriale Integrität der Ukraine“ … ein Krieg auch gegen unser Land, der täglich stattfindet: mit Angriffen auf unsere Datennetze, mit der Zerstörung von Versorgungsleitungen, mit Brandanschlägen, mit Auftragsmorden mitten in unserem Land, mit der Ausspähung von Kasernen, mit Desinformationskampagnen …“ (s. dazu: David Goeßmann, „Was steckt hinter dem Vorwurf der hybriden Kriegsführung Russlands gegen Europa?“)           

Erst im Oktober vorigen Jahres wollte Hassredner Merz Russlands Präsident Putin ein Ultimatum stellen:

„Wenn das nicht aufhört mit den Bombardements, dann ist der erste Schritt der: Reichweiten-Begrenzung (für ukrainische Raketenangriffe auf Russland) aufheben. Und der zweite Schritt der, dass wir die ›Taurus‹ (deutsche Rakete mit großer Reichsweite und Sprengkraft) liefern … Und dann hat Putin es in der Hand, wie weit er diesen Krieg noch weiter eskalieren will.“

Ob er auch noch als Bundeskanzler den Maulhelden spielt wird, müssen wir leider abwarten. Vielleicht ermannt sich jemand aus seiner Umgebung und macht ihn darauf aufmerksam, dass Putin eine Taurus-Lieferung an Kiew als deutsche Kriegserklärung wertet und „entsprechend“ reagieren will   – völkerrechtlich absolut korrekt. Vielleicht erinnert sich Merz auch daran, erst kürzlich von einer russischen Haselnuss gelesen zu haben, deren Wirksamkeit weltweit beeindruckt. Vielleicht.

Kriegsplaner

Russland droht der EU nicht mit Krieg. Das bestätigen zahlreiche hochrangige Experten, zum Beispiel US-Chefunterhändler Steve Wittkoff: „Ich habe das Gefühl, Putin will Frieden.“ Der deutsche Ex-Generalinspekteur Harald Kujat hält Behauptungen von einem bevorstehenden russischen Angriffskrieg für „Unsinn“.  Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder: absurd. Ex-Oberstleutnant Jochen Scholz: Standardlüge. Ex-Oberst Wolfgang Richter:

„Wenn Russland tatsächlich das Mittel Krieg wahrnimmt zum Erreichen politischer Ziele, warum soll es bis 2029 warten?

Tja. Warum? Weil Russland an einem Krieg gegen Rest-Europa gar kein Interesse hat. Der italienische Ex-Ministerpräsident Conte nennt deshalb das europäische Hochrüstungsprogramm „eine totale Geldverschwendung.

Deutschland und die EU haben für Russland keinen Reiz: gigantische Schuldenberge, schrottreif gesparte Infrastruktur, keine nennenswerten Ressourcen von irgendwas. Eine Region, deren politische Vorturner von ihrem wichtigsten „Verbündeten“, der US-Regierung, offen als antidemokratisch verachtet, als Schmarotzer bezeichnet und auf den Topf gesetzt werden.

Gute Frage an uns alle:

„Wie weiter in einem Land, das dabei ist, zum Selbstbedienungsladen korrupter Regenten und Noch-nicht-Regenten zu verkommen? 

Unsere politischen, journalistischen, akademischen und militärischen Krawallbrüder und -schwestern sind nur Tonverstärker mit W-LAN zum Schattenreich der Geldelite. Der ist vollkommen gleichgültig, was aus den Westeuropäern wird. Sie ist sozial abgehoben, international abgesichert und rechtzeitig offshore, bevor es kracht. Es würde ihr Stellvertreterkrieg. Sein Ziel und zugleich angelsächsischer Wunschtraum: Deutschland zerstört und Kontinentaleuropas Wirtschaft für lange Zeit am Boden.

Nicht Russland droht mit Krieg gegen Westeuropa. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Deutsche und einige andere Westeuropäer wollen und planen Krieg gegen Russland.

Anmerkung der Autoren:

Unsere Beiträge stehen zur freien Verfügung. Wir schreiben nicht für Honorar, sondern gegen die „mediale Massenverblödung“ (in memoriam Peter Scholl-Latour). Die Texte werden vom Verein „Ständige Publikumskonferenz öffentlich-rechtlicher Medien e.V.“ dokumentiert: https://publikumskonferenz.de/blog



Info: https://seniora.org/index.php?option=com_acym&ctrl=fronturl&task=click&urlid=89&userid=3998&mailid=2680


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

31.03.2025

Michael Augustin: Welche Lügen will die neue Koalition verbieten?

seniora.org, 31. März 2025, Von Michael Augustin 29.3.2025 - übernommen von afsaneyebahar.com


Demokratie, Deutschland, Meinungsfreiheit


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Grundgedanken der Demokratie

Eine besondere Komik an deutschem Schwachsinn erreicht die Absicht des Lügenverbots: Es diene der «Stärkung der Repräsentativen Demokratie»

März '25, die geplante #Koalition aus #Union und #SPD verhandelt über einige Änderungen im #Medienrecht. - Eine sehr schlechte Entwicklung. Das #Informationsfreiheitsgesetz soll wieder abgeschafft werden. #Volksverhetzung soll verschärft werden. Und gewisse #Lügen sollen verboten werden. Welcher #Missbrauch droht und in welchen Bereichen sogenannte Lügen verboten und damit die "#Wahrheit" gesetzlich festgeschrieben werden wird, erklärt der Rechtsanwalt Michael Augustin im Video.

michael augustin
Michael Augustin, Rechtsanwalt

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Siehe auch:

Kanzler Scholz braucht noch einen Wahrheitsminister

Unser Leben in einer Gesellschaft mit staatlich geschütztem Meinungsmonopol / Zensur zerstört die Rechtsstaatlichkeit

Von Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam

15.10.2024

https://afsaneyebahar.com/2024/10/15/20702256/

https://seniora.org/politik-wirtschaft/deutschland/kanzler-scholz-braucht-noch-einen-wahrheitsminister?highlight=WyJtZWRpZW4iXQ==

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Strategische Agenda 2024   – 2029: EU-Rat erklärt Regierungskritiker zu Staatsfeinden

Von Norbert Häring

4.7.2024

https://afsaneyebahar.com/2024/07/05/20700683/

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Über die Kontinuität der Verfolgung Andersdenkender in Deutschland

Von Wolfgang Bittner

9.5.2024

https://afsaneyebahar.com/2024/05/09/20700047/

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Vom Albtraum der Faeser-Demokratie

Götzendienst-Polizei überwacht den Diskurs: Es geht nicht mehr um Wahrheit, sondern nur noch um Gefolgschaftstreue oder Verrat

Von Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam

14.4.2024

https://afsaneyebahar.com/2024/04/15/20699375/

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Der aktuelle Umgang mit der Meinungsfreiheit

18.11.2023

https://afsaneyebahar.com/2023/10/18/20696828/

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Hybris und Nemesis

Wie uns die Entzivilisierung von Macht in den Abgrund führt   – Einsichten aus 5000 Jahren

Von Rainer Mausfeld

November 2023

https://afsaneyebahar.com/2024/07/17/20700932/


Info: https://seniora.org/index.php?option=com_acym&ctrl=fronturl&task=click&urlid=88&userid=3998&mailid=2679


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31.03.2025

Demo in Wiesbaden am 29.3.: ein beeindruckender Schritt gegen Mittelstreckenwaffen

aus e-mail von  Thomas Carl Schwoerer, 31. März 2025, 10:56 Uhr

Liebe Freund*innen, anbei mein unredigierter und noch ungekürzter

Bericht über die Wiesbadener Demo gegen Mittelstreckenwaffen am 29.3.,

für die Zeitschrift Friedensforum. Aus Platzgründen konnte ich wichtigen

Beitragenden nicht danken, was wenigstens nun geschehe: der Friedens-

und Zukunftswerkstatt Frankfurt für den größeren Teil der Organisation,

Öffentlichkeitsarbeit und Finanzierung, den beiden Moderatorinnen sowie

den Lebenslauten und Playtime - Kleines Bluesorchester für ihr

Musikprogramm.


Vielen Dank auch an Marvin Mendyka und Thomas Kasper für diese Bilder

*https://www.flickr.com/photos/friekoop/albums/72177720324739031/with/54417837318

*


Das Video zur Hauptkundgebung auf dem Kranzplatz steht her:

https://www.youtube.com/watch?v=VcFFdbIHrPg&pp=0gcJCXcA-SJGOe9V


Bei dieser Gelegenheit außerdem ein sehenswertes und differenziertes

Video mit der Bestsellerautorin Juli Zeh über Trump, die internationale

Politik und Moral, Minuten ca. 10 bis 25

https://www.srf.ch/play/tv/sternstunde-philosophie/video/juli-zeh-woran-krankt-die-demokratie?urn=urn:srf:video:b6834672-1826-4eeb-9825-37cf692cca02 


Die Demo gegen Mittelstreckenwaffen am 29.3. war wichtig, mit 3000 Teilnehmenden (lt. Veranstalter 4000, Polizei: 2500) aus der ganzen Republik – gut angesichts Wiesbadener Erfahrungen und drei gleichzeitiger Veranstaltungen zu Nahost u.a. in Frankfurt. Auch die Stimmung und die Route überwiegend durch Wohngebiete waren gut. Berichtet haben die Tages- und Hessenschau sowie die FR.

Zum Auftakt sprach Jan Menning für die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) und das Wiesbadener Bündnis gegen Raketenstationierung, das aus 70 Aktiven besteht. Er begründete, weshalb die Mittelstreckenwaffen eine größere Gefahr darstellen als andere Waffengattungen und deshalb im INF-Vertrag 1987 verboten wurden: Mit ihnen steige die Gefahr eines Erstschlags sowie eines Gegenschlags, der zu einem größeren Krieg führt. Dem Argument, wir müssten uns verteidigen, sei zu erwidern: Es gibt schon Waffen, die Russland in 20 Minuten erreichen. Warum müssen es ab 2026 10 Minuten werden? Hartmut Bohrer erinnerte als Ortsvorsteher von Mainz-Kastel an die restlose Zerstörung dieses Stadtteils im 2. Weltkrieg, einschließlich des Erstickungstodes in Schutzbunkern. Er forderte die Schließung des mitten im Wohngebiet liegenden Militärgeländes des US-Raketenbefehlskommandos.

Auf der Hauptkundgebung beanstandete Regina Hagen für die von 50 Organisationen getragene Kampagne »Friedensfähig statt erstschlagfähig! Für ein Europa ohne Mittelstreckenwaffen«, dass die geplanten US-Marschflugkörper niedrig, unter dem Radar, und -Hyperschallwaffen besonders schnell fliegen. In beiden Fällen käme ein Angriff auf Moskau oder andere Ziele überraschend, eine Abwehr sei kaum möglich.

Präsident Putin sagte im November, der Einsatz der Hyperschallrakete »Oreschnik« auf eine ukrainische Rüstungsfabrik in Dnipro sei „in diesem Fall“ ohne Atomsprengkopf erfolgt. Der Kommandeur der Strategischen Streitkräfte Russlands ergänzte, ein massenhafter Einsatz dieser und anderer hochpräziser Mittelstreckenwaffen, die Russland entwickelt oder bereits stationiert, könnte schon mit konventionellen Sprengköpfen verbunkerte oder großflächige Ziele zerstören und damit strategische Wirkung erzielen, „vergleichbar dem Einsatz von Atomwaffen“.

Das schreckliche Szenario sei: Eine Seite schießt Mittelstreckenwaffen ab, als (Präventiv-)Angriff oder weil ein Manöver der Gegenseite falsch interpretiert wird. Letztere kann sie nicht abfangen und schießt ihrerseits Mittelstreckenwaffen ab. Z.B. fliegen russische Waffen nach Wiesbaden, nach Stuttgart auf die Befehlszentrale des US-Militärs für Europa und nach Grafenwöhr als Stationierungsort. So sähe die Sicherheit aus, die uns vorgegaukelt wird. Tatsächlich erhöhe nur die Abschaffung der Mittelstreckenwaffen und des Projekts zur Entwicklung europäischer Waffen unsere Sicherheit.
Die ehemalige US-Offizierin und -Diplomatin Ann Wright befürchtet, dass die Stationierung einen weiteren Krieg in Europa entflammt. Mehr Waffen erhöhten die Gefahr eines furchtbaren Krieges.

Der Bundesvorsitzende der NaturFreunde Michael Müller von der mitveranstaltenden Initiative „Nie wieder Krieg - die Waffen nieder!“ rief dazu auf, das Feld nicht den Kriegstreibern zu überlassen und die Aufrüstungslawine aufzuhalten. Er kritisierte den Kriegskonformismus in den Medien und rief dazu auf, den Berliner Appell zu unterschreiben und für ihn zu werben.

Özlem Alev Demirel (MdEP, Die Linke) lehnte das Bestreben von Ursula von der Leyen ab, Teil der Großmachtkonkurrenz zu werden, und forderte stattdessen Diskussionen in der EU-Kommission und der Bundesregierung über Friedensfähigkeit und wie Frieden und Entspannungspolitik wiederhergestellt werden können. Mehr Waffen machten uns nicht sicherer, sondern soziale Sicherheit für alle. Die EU liege meilenweit vor Russland in puncto Aufrüstung. Nicht die EU kämpfe für Demokratie und gegen Autokratie, sondern die Friedensbewegung. „Wir werden eine starke Friedensbewegung aufbauen“.

Michael von der Schulenburg (MdEP, BSW) kritisierte, dass die Aufrüstungspläne der EU von jetzt dreimal schließlich zu sechsmal so hohen Rüstungsausgaben wie Russland führen würden. Dabei hätten die 7 US-Geheimdienste 2024 berichtet, dass Russland höchstwahrscheinlich keine Nato-Staaten angreifen werde. Kanzler Scholz habe mit seiner bilateralen Vereinbarung zur Stationierung von US-Mittelstreckenwaffen ohne Befragung des Parlaments Vertrauen gebrochen. Schulenburg sagte einen Waffenstillstand in der Ukraine für April voraus und beklagte, dass die Europäer das nicht erreicht haben, sondern die US-Friedensverhandlungen zu torpedieren versuchten.

Eine Woche vor der Demo wurde eine linke Kritik veröffentlicht, die auf angebliche Aufrufe rechtsextremer Gruppen zur Teilnahme hinwies und damit Menschen von der Teilnahme abhielt. Die Veranstalter*innen wiesen die Kritik zurück und veröffentlichten eine Abgrenzung u.a. von rechtsextremen Gruppen. Auf der Demo waren keinerlei entsprechende Transparente zu sehen. Künftig sollte diese Abgrenzung frühzeitig veröffentlicht werden, um solchen Gerüchten vorzubeugen, wie die Kampagne »Friedensfähig statt erstschlagfähig!“ vorgeschlagen hatte. Dieser und andere Vorschläge zum Aufruf waren nicht übernommen worden, ohne Begründung.

Thomas Carl Schwoerer ist einer der Sprecher der Kampagne »Friedensfähig statt erstschlagfähig!« und der DFG-VK.


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31.03.2025

Türkei: Das “geopolitische” Schweigen der EU

lostineu, 31. März 2025

In der Türkei gehen Hunderttausende gegen Sultan Erdogan auf die Straße. Auf Hilfe aus Brüssel dürfen sie nicht hoffen – die EU schweigt. Der Grund: die Geopolitik.

Man muß schon lange suchen, um überhaupt ein Wort der Kritik zu finden. Die Lage in der Türkei sei “äußerst besorgniserregend”, sagte EU-Präsidentin von der Leyen kurz nach der Verhaftung des Istanbuler Bürgermeisters Imamoglu.

Seither: nichts. Weder von der Leyen noch ihre Kommissare haben sich zu den massiven Protesten und der krassen Repression (mehr als 2000 Verhaftete) geäußert. Es wurden keine Termine abgesagt und keine Sanktionen verhängt.

Warum? Die Medien rätseln, der “Presseclub” fand keine Antwort. Dabei liegt sie auf der Hand: Es geht um Geopolitik. Erdogan wird in der Ukraine gebraucht, aber auch in Syrien und in der “Koalition der Willigen” gegen Russland.

Neu ist das nicht. Die “geopolitische Wende” wurde spätestens im Dezember vollzogen, als von der Leyen nach Ankara reiste und Milliardenhilfe zusagte – eine Art Prämie für den Umsturz in Syrien und den Stopp syrischer Flüchtlinge.

Hauptsache, der Flüchtlingsstrom wird eingedämmt und Russland geschwächt. Erdogan wird für beides gebraucht – deshalb genießt er fast schon Narrenfreiheit. Dabei flüchten immer mehr Türken nach Deutschland – vor seinem Regime…

Siehe auch Trotz Repression: EU will Türkei in “Koalition der Willigen” halten

‹ Aufgelesen: Führt Russland einen hybriden Krieg gegen EUropa? › EUropas langer Arm trifft Le Pen in Frankreich – politisches Aus?

1 Comment

  1. Helmut Höft
    31. März 2025 @ 10:08

    „… als von der Leyen nach Ankara reiste und Milliardenhilfe zusagte“ „Pecunia non olet“ Politik dagegen sehr!



Info: https://lostineu.eu/tuerkei-das-geopolitische-schweigen-der-eu/?utm_campaign=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_content=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_medium=email&utm_source=getresponse


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.




Weiteres:




Ukraine is lost – but Europe doesn’t care


lostineu.eu, 30. März 2025

EUrope will save Ukraine: This was the message from the war summit in Paris, where a ‘coalition of the willing’ swore eternal loyalty to President Zelensky. Yet Kiev is losing all along the line.

The probably biggest defeat was in Kursk: The offensive supported by the EU and Nato in the Russian border region has failed, as reported by ‘Le Monde’ on the very day of the Paris summit. Russia has recaptured almost the entire area.

Things are not looking good in other contested regions either. ‘Russia has ‘seized the upper hand’ in Ukraine war’according to US intelligence circles. Russia has gained the upper hand and is therefore in a better negotiating position.

Just how weak Ukraine is is also evident in the talks with the US administration. The latter has presented a new draft that promises the USA extensive access to Ukrainian raw materials – but in return gives no security guarantees whatsoever.

The guarantees offered by the EU and NATO are also worthless. There is nothing left of the ‘peacekeeping force’ of up to 200,000 men that was originally discussed. As the ‘coalition of the willing’ is rather unwilling, only a French-British reconnaissance mission will be deployed for the time being.

Europe is relegated to the spectator’s gallery while the USA and Russia decide what the continent will look like in the future, comments the Stuttgarter Zeitung. But it is not only the EU that is on the sidelines.

Nato has also lost the war over Ukraine – at least politically. After the war, Ukraine will not be part of the US-led military alliance for the time being. US President Trump has made this unmistakably clear.

Selensky has failed

This also means that the ‘victory plan’ that President Zelensky presented in the autumn has failed. The first point was the unconditional invitation to join Nato…

…and in the upcoming negotiations, Zelenskyi wanted to use the Russian Kursk as a bargaining chip and the Ukrainian raw material deposits as a trump card. He lost his bet.

The only consolation for Zelensky: EUrope has not noticed the defeat – or doesn’t want to recognise it! Anyone who sees the pictures of France’s head of state Macron could be forgiven for thinking that a victory celebration had taken place in Paris…

The original post (in German) is here. See also “So stellt sich die EU einem schnellen Frieden in den Weg”



EUropa wird die Ukraine retten: So lautete die Botschaft des Kriegs-Gipfels in Paris, wo eine „Koalition der Willigen“ Präsident Zelensky ewige Treue schwor. Doch Kiew verliert auf der ganzen Linie.

Die wohl größte Niederlage gab es in Kursk: Die von der EU und der Nato unterstützte Offensive in der russischen Grenzregion ist gescheitert, wie 'Le Monde' noch am Tag des Pariser Gipfels berichtete. Russland hat fast das gesamte Gebiet zurückerobert.

Auch in anderen umkämpften Regionen sieht es nicht gut aus. Russland hat im Ukraine-Krieg „die Oberhand gewonnen“, heißt es in US-Geheimdienstkreisen. Russland hat die Oberhand gewonnen und befindet sich daher in einer besseren Verhandlungsposition.

Wie schwach die Ukraine ist, zeigt sich auch bei den Gesprächen mit der US-Regierung. Diese hat einen neuen Entwurf vorgelegt, der den USA einen weitreichenden Zugang zu ukrainischen Rohstoffen verspricht - im Gegenzug aber keinerlei Sicherheitsgarantien gibt.

Auch die von der EU und der NATO angebotenen Garantien sind wertlos. Von der ursprünglich diskutierten „Friedenstruppe“ von bis zu 200.000 Mann ist nichts mehr übrig. Da die „Koalition der Willigen“ eher unwillig ist, wird vorerst nur eine französisch-britische Aufklärungsmission entsandt.

Europa wird auf die Zuschauertribüne verbannt, während die USA und Russland entscheiden, wie der Kontinent in Zukunft aussehen soll, kommentiert die Stuttgarter Zeitung. Doch nicht nur die EU steht im Abseits.


Auch den Krieg um die Ukraine hat die Nato verloren - zumindest politisch. Nach dem Krieg wird die Ukraine vorerst nicht Teil des US-geführten Militärbündnisses sein. Das hat US-Präsident Trump unmissverständlich klargestellt.
Selensky ist gescheitert

Damit ist auch der „Siegesplan“, den Präsident Zelensky im Herbst vorgestellt hat, gescheitert. Der erste Punkt war die bedingungslose Einladung zum Nato-Beitritt...

...und bei den anstehenden Verhandlungen wollte Zelenskyi die russische Kursk als Druckmittel und die ukrainischen Rohstoffvorkommen als Trumpf einsetzen. Er hat seine Wette verloren.

Der einzige Trost für Zelenskyi: EUropa hat die Niederlage nicht bemerkt - oder will sie nicht wahrhaben! Wer die Bilder von Frankreichs Staatschef Macron sieht, könnte meinen, dass in Paris eine Siegesfeier stattgefunden hat...

Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version


Info: https://lostineu.eu/ukraine-is-lost-but-europe-doesnt-care/?utm_campaign=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_content=Lost%20in%20EUrope%20Update&utm_medium=email&utm_source=getresponse


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

31.03.2025

Der Umgang mit Grundgesetz und Schulden  – ein Spiegelbild des scheindemokratischen deutschen Politikbetriebs

seniora.org, 30. März 2025, 28. März 2025 Von: René-Burkhard Zittlau - übernommen von globalbridge.ch


Ein Schlag ins Gesicht des deutschen Wahlvolkes am Schwarzen Freitag im März 2025

Screenshot_2025_03_31_at_23_15_02_Seniora.org_Der_Umgang_mit_Grundgesetz_und_Schulden_ein_Spiegelbild_des_scheindemokratischen_deutschen_Politikbetriebs

«DEM DEUTSCHEN VOLKE», so steht es deutsch und deutlich auf dem Reichstagsgebäude in Berlin. Aber wo ist dieses deutsche Volk, das dieses irrsinnige und rechtswidrige Vorgehen des alten Bundestages am 21. März 2025 problemlos hätte stoppen können? Die Erinnerung an 1914 ist unvermeidlich ... (cm)


Der 21. März 2025 bot eine desaströse Momentaufnahme des Zustands der deutschen Politik. An diesem Tag wurden mehrere schon viele Jahre währende Missverständnisse endgültig aufgelöst. Eins findet sich in Artikel 38, Absatz 1 des Grundgesetzes: 

„Sie [die Abgeordneten des Bundestages] sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen.“

Ein anderes formuliert das Bundesministerium für Justiz auf seiner Webseite wie folgt: 

„Es [das Grundgesetz] ist die rechtliche Grundordnung unseres Gemeinwesens.“ 

Weiter wird dort postuliert: „Als Staatsverfassung formt das Grundgesetz unsere staatliche Ordnung.“

Die Ereignisse dieses schwarzen Freitags der bundesdeutschen Parlamentsgeschichte des im Reichstagsgebäude zu Berlin tagenden 20. Deutschen Bundestages belegen: die obigen Zitate stellen eine Reminiszenz dar. Eine Erinnerung an ein wohlformuliertes demokratisches Ideal, das in der seit 1945 nie souveränen Bundesrepublik Deutschland unter den gegebenen Nachkriegsrealitäten von Anfang an einen schweren Stand hatte. Die aktuellen Entscheidungen wirken wie ein Todesstoß.  

Ein Schlag ins Gesicht des Wahlvolkes

Vier Tage vor Ablauf der 20. Wahlperiode des Deutschen Bundestages wurden die vom Volk teils krachend abgewählten Vertreter ihrer jeweiligen Parteien nochmals einberufen. 

Sie sollten grundlegende, die Politik des Landes über Jahrzehnte hinaus bestimmende Wahnsinnsprojekte beschließen. Und das sollten sie in unnötiger Eile tun. Die war nach dem Inhalt der Gesetzesvorlagen weder angemessen noch erforderlich. Im Gegenteil. Die Folgen der Abstimmungen sind so gravierend, dass eine ausführliche, wahrhaft gesamtgesellschaftliche Debatte geradezu geboten war. 

Die provozierte Eile ergab sich einzig aus egoistischen parteipolitischen Interessen. Die Verlierer der Bundestagswahl vom Februar 2025 nutzten buchstäblich die letzten Stunden an der Macht, um mit ihren abgewählten Mehrheiten im Parlament parteiliche Interessen durchzusetzen, die vom Volk ohne jeden Zweifel nicht mehr gewollt waren. Und damit sind nicht nur jene der von ihnen repräsentierten politischen Vereinigungen gemeint.

Die diese Farce inszenierenden Politiker sowie die diesem Irrsinn zustimmenden Abgeordneten praktisch aller Coleur erklärten damit zum einen, was sie von Wahlergebnissen und dem angeblichen Souverän halten. Vor allem zeigten sie damit ihre Missachtung des Grundgesetzes, das sie im Begriff waren zu ändern, insbesondere des oben zitierten Artikels 38. Ihr Interesse galt ausschließlich ihrer jeweiligen Partei, nicht dem viel zitierten Gewissen, nicht den verbal hochgehaltenen demokratischen Instanzen und schon gar nicht den Interessen des Volkes.

Mit ihrem Handeln führten sie auch den Leitsatz des Bundesjustizministeriums ad absurdum. Die Politik ordnet sich für alle offensichtlich nur insoweit dem Grundgesetz unter, solange es ihren Interessen und denen durch sie repräsentierten Kreisen nutzt. Sofern das nicht mehr der Fall ist, wird nicht etwa die Parteipolitik geändert, um dem obersten aller Gesetze gerecht zu werden. Nein, im Deutschland des Jahres 2025 wird bei derartigen Konstellationen das Grundgesetz passend gemacht. 

Die Verfassung eines Staates gewinnt ihren Wert nur durch die Achtung und Wertschätzung aller vor ihrem Wortlaut und Geist. 

Die Entscheidungen des 21. März 2025 

Die politische Souveränität eines Landes bestimmt sich in entscheidendem Maße über seine finanzielle Unabhängigkeit. Je größer die Verschuldung eines Staates ist, desto größer sind die Einflussmöglichkeiten Dritter auf die Politik. Parlament und Regierung jonglieren mit gewaltigen Summen, die für die Bevölkerung aufgrund ihrer Abstraktheit schwer zu bewerten sind. Es fehlen die Einordnungen, die einen Bezug zu begreifbaren Dimensionen herstellen. 

Der Bundestag nahm an jenem fatalen 21. März 2025 zwei einschneidende Änderungen vor. 

Zum einen beschloss er die „Einrichtung eines Sondervermögens zur Modernisierung der Infrastruktur mit einer Kreditermächtigung von bis zu 500 Milliarden Euro für Investitionen“, womit er „eine langfristige Finanzierungsgrundlage für Investitionen des Bundes zur Modernisierung Deutschlands“ sicherstellen will. 

Zum anderen widmeten die Abgeordneten ihre besondere Aufmerksamkeit einer gigantischen Ausweitung der Finanzierung der Bundeswehr. Hier wurden die Abgeordneten in für zivile Zwecke unbekannter Weise äußerst kreativ. So wurde zum einen folgendes beschlossen: 

„Künftig ist von den zu berücksichtigenden Einnahmen aus Krediten der Betrag abzuziehen, um den die Verteidigungsausgaben 1 Prozent des nominalen Bruttoinlandsprodukts überschreiten.“

Zum anderen wurde der Artikel 87 a) des Grundgesetzes wie folgt geändert: 

„(1a) Zur Stärkung der Bündnis- und Verteidigungsfähigkeit kann der Bund einen Verteidigungsfonds für Deutschland als Sondervermögen für die Bundeswehr mit eigener Kreditermächtigung in Höhe von einmalig bis zu 300 Milliarden Euro errichten. Das Sondervermögen darf ausschließlich zur Stärkung der Bündnis- und Verteidigungsfähigkeit verwendet werden, wenn die Verteidigungsausgaben nach NATO-Kriterien eine Höhe von 2 vom Hundert im Verhältnis zum nominalen Bruttoinlandsprodukt in dem jeweiligen Haushaltsjahr übersteigen. Auf die Kreditermächtigung sind Artikel 109 Absatz 3 und Artikel 115 Absatz 2 nicht anzuwenden. Das Nähere regelt ein Bundesgesetz.“

Das wurde nicht im Rahmen eines „normalen“ Gesetzes mit einfacher Mehrheit beschlossen. Man muss sich vor Augen halten, dass diese Beschlüsse unter Nutzung der „alten“, den Initiatoren des Grauens günstigen Mehrheitsverhältnisse des auslaufenden Bundestages im Grundgesetz verankert wurden. Grundgesetzänderungen sind nur mit Zweidrittelmehrheiten durchsetzbar.

Es handelte sich also angesichts künftiger schwer kalkulierbarer Mehrheiten im Parlament um eine strategische Entscheidung von CDU, SPD, Grünen und FDP, der sich auf ihre Art die Linken nahtlos anschlossen. Einzig diese günstige Konstellation war der Grund für die Einberufung des alten Bundestages. 

Fassen wir zusammen: 

Der Bundestag hat Ende 2024 bereits ein „Sondervermögen“ genanntes Schuldenpaket für die Aufrüstung der Bundeswehr in Höhe von 100 Milliarden Euro aufgenommen. Das nur zur Erinnerung. 

Zusätzlich werden künftig Kredite um den Betrag „schöngerechnet“, um den die Verteidigungsausgaben 1 Prozent des BIP überschreiten. 

Und als ein weiterer Höhepunkt dieser vor unserer aller Augen ablaufenden Militarisierungsorgie wird ein weiteres „Sondervermögen“   – so harmlos können Schulden klingen   – für die Bundeswehr in Höhe von einmalig 300 Milliarden Euro geschaffen. Zugegriffen werden darf darauf jedoch nur, wenn die Verteidigungsausgaben 2 Prozent des BIP überschreiten! 300 Milliarden sozusagen als Zielprämie.

Auch die 500 Milliarden „für Investitionen des Bundes zur Modernisierung Deutschlands“ werden sicher auch unter Berücksichtigung des „Operationsplans Deutschland“ zu einem erheblichen Teil der zivilen Absicherung des Wirkens der Bundeswehr und anderer NATO-Truppen dienen, wenn damit Brücken, Straßen und andere Infrastrukturprojekte an deren Bedürfnisse angepasst werden. 100 Milliarden davon wurden den Grünen auf dem Basar um ihre Zustimmung für die für CDU/CSU und SPD so wichtigen Grundgesetzänderungen in die Hand versprochen zur Umsetzung von Klimazielen. Es wird also weiter eine Wirtschaftspolitik verfolgt, die die deutsche Auto- und Chemieindustrie sowie deren Zulieferer zu erheblichen Teilen bereits ruiniert hat.

Die Entscheidungen des schwarzen Freitags „übersetzt“

Das BIP Deutschlands im Jahre 2024 betrug 4.300 Milliarden Euro. 

Die Verschuldung Deutschlands wächst ständig und ist inzwischen größer als 2.500 Milliarden Euro. 

Die Verschuldungsrate zum BIP betrug nach Angaben des Bundes der Steuerzahler im Jahre 2023 über 64 Prozent.

Der Staat zieht sich bei der Bewertung der Staatsverschuldung auf folgende Formel zurück: Wirtschaftliches Wachstum generiert wachsende Steuereinnahmen. Folglich kann der Staat auch (noch) mehr Schulden aufnehmen, da er damit auch mehr Steuereinnahmen generiert: 

„Da der Staat mit Steuern und Abgaben auf das nominale Bruttoinlandsprodukt zugreift, wachsen auch die Steuern und die Staatsausgaben über die Jahre. Und wenn dann der Staat ein Defizit eingeht, um etwas zu bezahlen, was er durch die Steuern nicht bezahlt bekommt, dann werden natürlich auch diese Beträge nominal immer größer.“

So äußerte sich der Professor für Sozialökonomie Achim Trugner von der Universität Duisburg-Essen im Jahre 2023.  Das erscheint wie das ökonomische Pendant zu Merkels politischem „Wir schaffen das!“

Die veranschlagten Gesamtausgaben des Bundeshaushalt 2025 betragen 488,6 Milliarden Euro. 

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Diese Grafik zeigt den Regierungsentwurf 2025. Diverse Positionen mit einem Anteil von weniger als 3% sind in der Grafik zwar aufgeführt, im Text aber nicht erwähnt.

In diesen Zahlen sind die Ergebnisse des „schwarzen Freitags“ noch nicht enthalten. Ob das Finanzministerium im Jahr 2025 mit 33 Milliarden für den Schuldendienst auskommen wird, ist fraglich. Laut Angaben des Bundes der Steuerzahler wurden bereits im Jahre 2023 allein für den Schuldendienst des Bundes mehr als 40 Milliarden Euro ausgegeben   – ausschließlich Zinsen, keine Tilgung. 

Schauen wir im Lichte der gefassten Beschlüsse auf die Verteidigungsausgaben:

Für 2025 sind geplant 53,25 Milliarden Euro, was etwas mehr als einem Prozent des deutschen BIP entspricht. Dieses eine Prozent entspricht aber beinahe 11 Prozent des deutschen Staatshaushalts. 

Die nun grundgesetzlich verankerte Einladung zur Aufrüstung beinhaltet folgende Eckzahlen: 

Bei Bereitstellung von zwei Prozent des BIP für Verteidigung können weitere 300 Milliarden für „Militärisches“ ausgegeben werden. Zwei Prozent des BIP entsprechen ca. 105 Milliarden Euro. 105 Milliarden Euro entsprechen wiederum etwa 22 Prozent des deutschen Staatshaushalts!  Wenn der deutsche Staat 22 Prozent   – also 105 Milliarden Euro   – seines Haushalts für Rüstung ausgibt, dann darf er grundgesetzlich verankert weitere 300 Milliarden eines „Sondervermögen“ genannten Kredites für das Militär ausgeben. 

Es ist nicht wichtig, ob der Staat diese „Zielprämie“ in einem, drei oder fünf Jahren abruft. Wichtig ist, dass der Staat dieses Geld nicht hat. Wenn wir gedanklich davon ausgehen, dass 100 Milliarden im Jahr eins abgerufen werden, dann verdoppelt sich der Verteidigungshaushalt auf etwa 4 Prozent des BIP. Diese unscheinbaren vier Prozent des BIP entsprechen etwa 44 Prozent des deutschen Staatshaushaltes auf Basis des Jahres 2025! Die Ausgaben für das Militär wären dann der mit Abstand größte Haushaltsposten. 

Es sollte jedem Bürger klar sein, dass eine derartige Ausweitung des Militärhaushalts dramatische Auswirkungen auf alle anderen Haushaltsposten haben muss, insbesondere auf den für Arbeit und Soziales, den bislang größten Posten. Und der designierte Kanzler Merz deutete genau das in den letzten Tagen unmissverständlich an.

Dabei ist auch ohne die Beschlüsse vom 21. März 2025 die finanzielle Situation des deutschen Staates angespannt, was das folgende Gedankenspiel des Bundes der Steuerzahler aus dem Jahre 2023 deutlich macht:

„Ab sofort werden keine Schulden mehr aufgenommen und die öffentliche Hand gesetzlich verpflichtet, neben allen anderen Ausgaben jeden Monat eine Milliarde Euro an Schulden zu tilgen. Mit dieser Verpflichtung würde es bis ins Jahr 2232 dauern, um den Schuldenberg der Bundesrepublik Deutschland vollständig abzutragen.“

Und zu diesen Schulden kommen jetzt noch einmal 1 Billion Euro hinzu, die aus dem Nichts geschaffenen „Sondervermögen“. Damit steigt die Verschuldung in absehbarer Zeit auf 3.500 Milliarden Euro bzw. auf etwa 77 Prozent des voraussichtlich stagnierenden oder   – nicht ausgeschlossen   – sinkenden BIP.  

Ehrlichweise sollte hierbei berücksichtigt werden, dass Ursula v.d. Leyen in Brüssel gerade darüber brütet, wie die EU weitere 800 Milliarden für Verteidigungszwecke zusammenbekommen kann. Diese Summen kann die EU nur bei den Mitgliedsstaaten holen. Im Falle Deutschland also zusätzlich zu der oben beschriebenen Situation. 

Die Institutionen der Macht im Griff der Parteien 

Es sei ausdrücklich erwähnt, dass die am 21. März 2025 gefassten Beschlüsse alle Entscheidungsinstitutionen des deutschen Bundesstaates durchlaufen mussten und von allen durchgewunken wurden: Bundestag und Bundesrat stimmten mit den erforderlichen Mehrheiten. Dann setzte Bundespräsident Steinmeier die Beschlüsse mit seiner Unterschrift in Kraft. 

Auf jeder dieser institutionellen Ebenen hätte dieses Projekt zur Militarisierung und somit zur „Kriegsertüchtigung“   – in Wahrheit eine unmittelbare Kriegsvorbereitung   – Deutschlands mit demokratischen Mitteln gestoppt werden können. 

Auf der Ebene des Bundestages hätte der neue Bundestag einberufen werden können, so dass der alte nicht mehr hätte zusammentreten dürfen. Die LINKE weigerte sich, diesen Antrag parallel zur AfD zu stellen. Es hätten auch Abgeordnete einfach mit „Nein“ stimmen können, denn CDU und SPD als Initiatoren waren auf Fremdstimmen angewiesen.

Im Bundesrat stimmten die Länder mit der notwendigen Mehrheit. Es sei daran erinnert, dass Bayern mit Enthaltung hätte stimmen müssen, wenn den Freien Wählern nicht mehr an bayrischen Posten denn am nationalen Interesse Deutschlands gelegen gewesen wäre. Die Freien Wähler entschieden sich für z.B. den Posten des bayrischen Landwirtschaftsministers. Die Bundesländer, in denen die LINKE in der Regierung vertreten ist, hätten mit einer Enthaltung den Wahnsinn ebenfalls stoppen können. Sie alle taten es nicht. 

Und letztlich sei auch der Bundespräsident erwähnt. Steinmeier ist Sozialdemokrat. Demnach sollte ihm an Frieden und sozialer Gerechtigkeit besonders gelegen sein. Er hätte sich mit der Verweigerung seiner Unterschrift kurz vor seinem Amtsende ein Denkmal der besonderen Art setzen können. Doch auch er entschied sich im Interesse der Partei und damit des persönlichen Fortkommens. 

Es waren also die linken Kräfte, die dieses Projekt des Ex-BlackRock-Chefs Merz möglich machten. Sie hätten es verhindern können. 

Wenn selbst linke Kräfte die so nicht genannten Kriegskredite durchwinken, dann sind wir wieder im Jahre 1914. Damals gab es für den Kaiser keine Parteien mehr, sondern nur noch Deutsche. Insofern hat sich die Lage geändert. Denn es geht nicht mehr um Deutsche, es geht um die Parteien. Und die haben Deutschland komplett usurpiert. Im Interesse von wem?

Abschließendes

Der neue Bundestag der 21. Wahlperiode trat inzwischen zusammen. Er hat nun die Aufgabe, eine neue Regierung zu bilden. Auch wenn es hier und da in den Parteien gärt, es spricht mehr dafür als dagegen, dass Friedrich Merz zum neuen Bundeskanzler gewählt wird. Sollte es dazu kommen, dann wird er der erste sein, der seinen Amtseid schon vor Antritt des Amtes gebrochen haben wird: 

„Ich schwöre, daß ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“

Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, Artikel 56

Weitere Artikel von: René-Burkhard Zittlau https://globalbridge.ch/der-umgang-mit-grundgesetz-und-schulden-ein-spiegelbild-des-scheindemokratischen-deutschen-politikbetriebs/"> - https://globalbridge.ch/unterstuetzen/


Quelle: GlobalBridge.ch - Mit freundlicher Genehmigung übernommen

Quelle: https://globalbridge.ch/der-umgang-mit-grundgesetz-und-schulden-ein-spiegelbild-des-scheindemokratischen-deutschen-politikbetriebs/



Info: https://seniora.org/index.php?option=com_acym&ctrl=fronturl&task=click&urlid=87&userid=3998&mailid=2678


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

31.03.2025

Zu Gast in Israel   Israels ultrarechte Regierung kooperiert mit der extremen Rechten in Europa und schließt eine Zusammenarbeit mit der AfD nicht grundsätzlich aus. Berlin hält an bedingungsloser Kooperation mit Israel fest.

german-foreign-policy.com, 31. März 2025

TEL AVIV/BERLIN (Eigener Bericht) – Israels ultrarechte Regierung intensiviert ihre Zusammenarbeit mit der extremen Rechten in Europa und schließt auch eine Kooperation mit der AfD nicht grundsätzlich aus. An einer Internationalen Konferenz zum Kampf gegen den Antisemitismus, zu der vergangene Woche Israels Ministerium für Diasporaangelegenheiten eingeladen hatte, nahmen Repräsentanten diverser Parteien der extrem rechten Patrioten für Europa (PfE) teil, darunter etwa Jordan Bardella, Präsident des französischen Rassemblement National (RN). Zuvor hatte der Likud, die Partei von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, Beobachterstatus bei den PfE erlangt; Außenminister Gideon Saar hatte Israels Diplomaten unter anderem in Frankreich angewiesen, die Beziehungen zu diversen Parteien der extremen Rechten zu normalisieren. Diese entstammen mehrheitlich dem Milieu alter Antisemiten und stehen häufig in direkter Tradition zu NS-Kollaborateuren. Israels Diasporaminister Chikli erklärt, er „hoffe“, die AfD werde sich von einigen umstrittenen Politikern lösen. Dann sei er bereit, mit ihr zu kooperieren. Mit Netanjahu, der ihn unterstützt, arbeitet die deutsche Regierung sehr eng zusammen.


Zitat: Jenseits der „Brandmauer“

Unter Beteiligung diverser prominenter Repräsentanten der extremen Rechten in Europa hat am 26. sowie am 27. März in Jerusalem eine Internationale Konferenz zum Kampf gegen den Antisemitismus stattgefunden. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Ministerium für Diasporaangelegenheiten unter Minister Amichai Chikli (Likud); Reden hielten unter anderen Israels Premierminister Benjamin Netanjahu (Likud) und Außenminister Gideon Saar (Neue Hoffnung). Daneben traten der Ex-Ministerpräsident Sloweniens, Janez Janša, der als enger Parteigänger des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán gilt, sowie Jordan Bardella, der Präsident des französischen Rassemblement National (RN), auf. Auf der Rednerliste fanden sich außerdem Marion Maréchal von der extrem rechten französischen Partei Identité-Libertés, Charlie Weimers von den Schwedendemokraten (auch Vizepräsident der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer/EKR im Europaparlament) wie auch drei Abgeordnete der Fraktion der Patrioten für Europa (PfE) im Europaparlament, Kinga Gál von der Orbán-Partei Fidesz sowie die Vizepräsidenten der PfE-Fraktion Sebastiaan Stöteler von der PVV, der Partei von Geert Wilders, und Hermann Tertsch von der spanischen Partei Vox. Die PfE versammelt Parteien der extremen Rechten, die in Europa noch jenseits der „Brandmauer“ eingeordnet werden.


Persilscheine

Für Politiker und Parteien der extremen Rechten in Europa ist die Einladung des israelischen Ministeriums zu der Konferenz in mehrfacher Hinsicht ein Gewinn. Zum einen erlaubt sie es ihnen, ihre Ursprünge in alten antisemitischen Milieus vergessen zu machen, die zudem in vielen Fällen in der Tradition der NS-Kollaboration stehen.[1] Faktisch stellt ihnen die israelische Regierung damit einen Persilschein aus. Dies ist der Grund, weshalb schon in den vergangenen Jahren immer wieder Politiker der extremen Rechten bemüht waren, zu einer Reise nach Israel eingeladen zu werden; Ende Mai vergangenen Jahres traf dort zum Beispiel der Anführer der extrem rechten spanischen Partei Vox, Santiago Abascal, zu Gesprächen mit Chikli und Netanjahu ein.[2] Es kommt hinzu, dass die extreme Rechte in Europa in Israel trotz ihres fortbestehenden Antisemitismus einen strategisch wichtigen Verbündeten im Kampf gegen den Islam sieht, der für sie wiederum vor allem ein Kampf gegen Migranten ist. Nicht zuletzt ermöglichte es die Konferenz den eingeladenen Repräsentanten der extremen Rechten, internationale Beziehungen zu knüpfen. Zugegen war etwa auch Matt Schlapp, Vorsitzender der American Conservative Union (ACU), die die Conservative Political Action Conference (CPAC) organisiert (german-foreign-policy.com berichtete [3]).


Beobachterstatus bei den PfE

Für die israelische Rechte bot die Konferenz die Gelegenheit, ihre Beziehungen zu ähnlich gesinnten politischen Kräften in Europa auf- und auszubauen. Entsprechend ging es auf der Veranstaltung längst nicht nur um – tatsächlichen oder vermeintlichen – Antisemitismus sowie um den Kampf dagegen. Wie der konservative britische Telegraph berichtet, wurden unter anderem die Klimaaktivistin Greta Thunberg als „Idiotin“ und Black Lives Matter als „kaum besser“ beschimpft. Die Trump-Anhängerin Karys Rhea warnte vor „woken“ Bewegungen – „als wenn dies ein zentrales Problem für die Juden weltweit sei“, hieß es im Telegraph.[4] Tatsächlich handelt es sich um Positionen, die auch in der extremen Rechten in Israel vertreten werden; auf ihrer Grundlage bemühen sich der Likud und mittlerweile auch der israelische Staat um neue internationale Kooperationsstrukturen. So teilte etwa der Likud am 9. Februar im Anschluss an die Generalversammlung der PfE in Madrid mit, er habe bei der Organisation jetzt Beobachterstatus inne – als erste und bislang einzige nichteuropäische Partei.[5] Ende Februar wies Außenminister Saar, wie berichtet wird, „die israelischen Diplomaten in Frankreich, Schweden und Spanien an“, mit der bisherigen Politik zu brechen und unmittelbar „Kontakte zu den rechtsextremen Parteien“ RN, Schwedendemokraten und Vox aufzunehmen.[6]


Hoffnung auf Kooperation

Dies geschieht zu einer Zeit, zu der die Trump’sche Rechte in den Vereinigten Staaten ebenfalls Beziehungen zur extremen Rechten in Europa knüpft und intensiviert. So hielt sich schon im unmittelbaren Vorfeld der PfE-Generalversammlung im Februar der Präsident der Heritage Foundation, Kevin Roberts, zu Gesprächen mit PfE-Politikern in Madrid auf (german-foreign-policy.com berichtete [7]). Erst Elon Musk, dann auch US-Vizepräsident JD Vance haben sich im deutschen Wahlkampf für die AfD stark gemacht.[8] Dabei gerät auch die AfD Schritt um Schritt in greifbare Nähe zur israelischen Rechten. In einem Post auf X erklärte Chikli am Tag nach der Bundestagswahl, die Partei, die sich in Deutschland am deutlichsten gegen jede Unterstützung für „antiisraelische“ Gruppierungen positioniere, sei „überraschenderweise“ die AfD.[9] Die Partei habe im April 2019 eine Gesetzesvorlage zum Verbot der BDS-Kampagne und im Juni 2019 eine weitere zum Verbot sämtlicher Hizbollah-Aktivitäten in Deutschland in den Bundestag eingebracht. Zwar gebe es noch „Stimmen“ wie den bisherigen Europa- und jetzigen AfD-Bundestagsabgeordneten Maximilian Krah, der die Waffen-SS verharmlost habe. Mit anderen, etwa mit AfD-Bundessprecherin Alice Weidel, sei eine Kooperation problemlos möglich. Er „hoffe“, die AfD könne sich von Personen wie Krah lösen, fügte Chikli hinzu.


„Brunnenvergifter“

Was von derlei Abgrenzungsversuchen zu halten ist, zeigt das Beispiel Ungarn. Dessen Ministerpräsident Viktor Orbán, Präsident der PfE-Mitgliedspartei Fidesz, gilt als ein enger Kooperationspartner seines israelischen Amtskollegen Netanjahu. Unter seiner Amtsführung wurden – abgesehen von einer Rehabilitierung des ungarischen NS-Kollaborateurs Miklós Horthy [10] – Werke der Schriftsteller József Nyirő und Albert Wass in den Lehrplan für die ungarischen Schulen aufgenommen. Nyirő, ein Goebbels-Bewunderer, hatte 1942 in einer Rede verlangt: „Aus dem Weg mit den Brunnenvergiftern, mit denjenigen, die die ungarische Seele destruieren, die unseren Geist infizieren, die die ungarische Kraftentfaltung verhindern.“[11] Gemeint waren Juden. Dies gilt auch für den Titel einer Fabel aus der Feder von Wass, der nach der Annexion seiner siebenbürgischen Heimat durch Ungarn im Jahr 1940 für die Kollaborationsbehörden tätig war. Der Titel lautet: „Die Landnahme der Ratten.“


Bedingungslose Zusammenarbeit

Die enge Kooperation der israelischen Regierung unter Netanjahu mit der extremen Rechten in Europa verstärkt den Druck auf Berlin, sich seinerseits für die extreme Rechte zu öffnen. Zwar hat der Antisemitismusbeauftragte der scheidenden Regierung, Felix Klein, seine Teilnahme an der Konferenz in Jerusalem unter Verweis auf die Anwesenheit extrem rechter Politiker abgesagt.[12] Der mutmaßlich nächste Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich aber zu fast bedingungsloser Kooperation mit Netanjahu bekannt; so hat er erklärt, er werde Netanjahu nach Deutschland einladen und gleichzeitig sicherstellen, dass der Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) gegen den israelischen Ministerpräsidenten nicht vollstreckt werde.[13] Merz kündigte dies an, nachdem Netanjahus Partei Likud offiziell Beobachterstatus bei den PfE erhalten hatte. Letzterer steht einer überaus engen Zusammenarbeit mit der Bundesregierung nicht im Weg.

 

[1] S. dazu Die Umwertung der Werte.

[2] Yuval Barnea: ‘No prizes for terror‘: Spanish opposition leader Abascal promises. jpost.com 29.05.2024.

[3] S. dazu Die transatlantische extreme Rechte (II).

[4] Henry Bodkin: Inside the Right-wing anti-Semitism summit causing turmoil in the Jewish world. telegraph.co.uk 28.03.2025.

[5] James Genn: Likud joins EU right-wing alliance Patriots.eu as observer, while AfD attempts to build ties. jpost.com 09.02.2025.

[6] Andrea Nüsse: In Israel fällt die Brandmauer. tagesspiegel.de 22.03.2025.

[7] S. dazu Die transatlantische extreme Rechte (II).

[8] S. dazu Die transatlantische extreme Rechte (III).

[9] Reaching out to Europe’s rising Right: Israel’s Diaspora Minister Chikli explains approach to German AfD party. allisrael.com 25.02.2025.

[10], [11] S. dazu Die Ära des Revisionismus (III).

[12] Hans Pfeifer: Israel’s antisemitism conference kicks off amid criticism. dw.com 26.03.2025.

[13] Merz lädt Netanjahu trotz Haftbefehls nach Deutschland ein. handelsblatt.com 25.02.2025.



Info: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/9929


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

30.03.2025

Die Vendetta

aus e-mail von Friedensbüro Hannover, 30. März, 2:26 Uhr


Die imperiale Politik der Weltmacht war in ihren Zielen immer gleich; in ihrem Niedergang wird deren Durchsetzung aggressiver.       Gerd


Süddeutsche Zeitun

Historie: Panamakanal

:

„Wir haben ihn bezahlt, und wir werden ihn behalten“

sueddeutsche.de, vom 27. März 2025, 18:31 Uhr


Donald Trump ist nicht Amerikas erster Präsident, der den Panamakanal als US-Eigentum betrachtet. Die Geschichte einer sehr einseitigen Beziehung.

Von Christian Schmidt-Häuer

Es war eine Baustelle ohne Beispiel: Zwischen 1907 und 1913 stauten Techniker der USA <https://www.sueddeutsche.de/thema/USA> und einheimische Arbeiter den aus den Bergen kommenden Río Chagres für den Bau des Panamakanals auf. Der durch diese kühne Operation von Geologen und Ingenieuren entstandene Gatún-See war damals das größte künstliche Gewässer der Welt.


Der Hotelriese, der sich heute am Seeufer ausdehnt, erinnert mit seinen Maßen daran. Wer die Fenster des langgestreckten, ockergelben Gebäudes zählen will, muss sich auf eine Wanderschaft begeben. Sie führt vorbei an ausgedehnten Anlagen für ein „umfangreiches Aktivitätenprogramm“, wie die Werbung der spanischen Hotelkette verheißt.


Ein umfangreiches Aktivitätenprogramm – das gab es hier schon früher, freilich in ganz anderer Weise. Der 1936 als Fort Gulick gebaute Komplex diente von 1949 bis 1984 als militärisches Ausbildungszentrum der U.S. Army School of the Americas, spanisch Escuela de las Américas.


In der Schule der Mörder


Kritiker und überlebende Opfer freilich gaben ihr einen anderen Namen: „Escuela de Asesinos“, Mörderschule. Sie bestand 35 Jahre, in denen 29 000 Absolventen ihre Ausbildung erhielten. Zu den Lehrbereichen in den Sälen des heutigen Luxushotels gehörten politische Führung, Vernehmungstechniken bis hin zu Foltermethoden, Aufstandsbekämpfung. Zu den Graduierten aus Lateinamerika zählten spätere Obristen und Folterspezialisten in Pinochets Chile, in Argentinien, Guatemala, El Salvador, Honduras.


Insgesamt unterhielten die USA am Kanal auf dem schmalen Landstreifen zwischen Atlantik und Pazifik zeitweilig bis zu 130 Stützpunkte. Auf einigen wurden Chemiewaffen getestet und Raketen gelagert. In den betroffenen Gebieten sind bis heute Böden verseucht. Der Ausbau Panamas zu so einem militärischen Brückenkopf ging weit über die Rechte hinaus, die der Kanal-Vertrag den Vereinigten Staaten 1903 zum Schutz des Wasserwegs eingeräumt hatte. Im Jahr 1964 entzündeten sich an der massiven Präsenz der „Yankees“ sogar massive Proteste, die dann mit Gewalt niedergeschlagen wurden.


Solches und anderes postkoloniales Unrecht wollte US-Präsident Jimmy Carter überwinden, als er mit Panamas Diktator Omar Torrijos 1977 vertraglich vereinbarte, dass der Kanal Ende 1999 in Panamas Hoheit übergehen sollte. Dieses historische Abkommen nennt US-Präsident Trump inzwischen „ein närrisches Geschenk, das niemals hätte gemacht werden dürfen“. Panama <https://www.sueddeutsche.de/thema/Panama>, so klagte er, habe China die Kontrolle über den Kanal praktisch überlassen, weshalb die USA ihn sich „zurückholen“ würden – militärischer Zwang nicht ausgeschlossen.


Dass sich China am Panamakanal stark engagiert wie auch an vielen anderen geopolitischen Schnittstellen, steht außer Frage. Und Donald Trump <https://www.sueddeutsche.de/thema/Donald_Trump> hat durchaus recht, solange er auf die überragende Leistung des amerikanischen Militärs, der Mediziner und Techniker anspielt, mit der sie einst die 81,3 Kilometer lange Arterie zwischen den Ozeanen einsetzten, die den globalen Handel erweiterte wie keines der Weltwunder zuvor. Mit dem jetzigen Donnergrollen in Richtung Pazifik aber drängt sich die Frage auf: Wie sah denn die Kontrolle der USA über ihre 1474 Quadratkilometer große Enklave am fertigen Kanal aus, die 1903 begann und am 31. Dezember 1999 endete? Dazwischen lagen Jahrzehnte, in denen der Welterfolg des Kanals symbolträchtig Amerikas industriellen und imperialen Aufstieg zur alleinigen Weltmacht vereinte – ebenjener Status, den Trump via Panama, Kanada und Grönland jetzt „zurückholen“ will.


Am 3. November 1903 hatte Theodore Roosevelt die Provinz Panama mithilfe separatistischer Grundbesitzer von Kolumbien abspalten lassen, weil das Parlament in Bogotá die Kanalbau-Pläne des US-Präsidenten ablehnte. In der neuen Republik von Washingtons Gnaden errichtete ein amerikanisches Marine-Bataillon schon 1904 den ersten Stützpunkt. Bereits 1911, drei Jahre vor Eröffnung des Kanals, wurden Soldaten und Marines regulär in der Zone stationiert. Diese umfasste ein Territorium entlang der 8,1 Kilometer breiten Streifen beiderseits der Wasserstraße vom Pazifik zum Atlantik. Der neue Führungsanspruch – den die USA mit dem Eintritt in den Ersten Weltkrieg 1917 ebenso erhoben, wie er sich ihnen durch die Selbstzerstörung des alten Kontinents aufdrängte – erledigte schnell fast alle Wünsche Panamas nach Mitsprache.


Der Zweite Weltkrieg führte zur größten Expansion der Zona del Canal de Panamá. Die Anzahl der US-Soldaten steigerte sich von 13 000 vor dem Krieg auf 67 000 im Januar 1943. Während der Kanal in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weniger des direkten Schutzes bedurfte, wuchs seine Bedeutung für die Weltmachtrolle der USA. Nach dem Koreakrieg 1953 richtete das Militär in Fort Sherman ein Trainingszentrum ein, in dem US-Ranger Dschungelkämpfer für mehr als ein Dutzend Länder Lateinamerikas ausbildeten.


Seit 1958 wurden US-Einheiten von außerhalb Panamas durch das Fort zum Kampf- und Überlebenstraining eingeschleust. Während des Vietnamkrieges ließen die Militärs in der Kanalzone zum Training für Nahkampfeinsätze sogar ein vietnamesisches Bauerndorf als fiktiven Hinterhalt nachbauen.


Der Horchposten für ganz Lateinamerika


Basen, Trainings- und Testgelände nahmen den größten Raum an den Ufern des Kanals ein. Gleich zwölf Generäle befehligten die US-Elitetruppen auf dem schmalen Landstreifen. Sie alle standen unter dem Kommando des Southern Command (Southcom), verantwortlich für die Führung und Koordination sämtlicher militärischer Operationen in Lateinamerika. Das Hauptquartier lag direkt an der Öffnung des Kanals zum Pazifik, von dort aus überwachten Radarstationen den gesamten Luftraum Lateinamerikas, unterstützt von etwa 15 000 Aufklärungsflügen pro Jahr. Damit war die Kanalzone zum Horchposten für ganz Lateinamerika geworden.


Was zurückführt zum heutigen Luxushotel am romantischen Gatún-Ufer, dem einstigen Fort Gulick. Dort wurden nicht nur Männer angeleitet wie unter anderem Roberto Eduardo Viola, 1981 De-facto-Präsident der Militärjunta Argentiniens, oder der spätere Oberst Domingo Monterrosa, der 1981 in El Salvador beim Massaker an fast 800 Zivilisten das berüchtigte Batallón Atlacatl befehligte. Auch koordinierten von Fort Gulick aus Spezialisten über ein abhörsicheres Telefonsystem die Nachrichten und Bewegungen der Operation Condor. Dieser Verbund der lateinamerikanischen Geheimdienste mit aktiver Unterstützung der USA ließ in den späten 70ern viele Priester, Gewerkschafter, Menschenrechtler der Nachbarstaaten verfolgen, verschwinden oder offen ermorden.


Wie aber lebten, außerhalb der Stützpunkte, die zivilen US-Bürger in ihrer schmalen Schneise? Durch Panama verlief mit dieser Kanalzone eine von Kontrollen und Sperren gesicherte Enklave, in der anfangs rigorose Rassentrennung und amerikanische Rechtshoheit herrschten. Es gab dort nicht nur die Verwalter und Techniker, Lotsen und Lehrer, Bäcker, Schlachter und Molkereibetreiber mit ihren Familien, sondern auch eigene US-Staatsanwälte und Richter. Alle Waren in den Kommissionsläden waren für die Zonen-Bewohner zollfrei, eigene Krankenhäuser sorgten für ihre Gesundheit. Gelbe Schulbusse wie in den USA fuhren die Kinder zu den Highschools.


Eine amerikanische Siedlung, nur ein paar Steinwürfe entfernt von den Elendsvierteln


Die Zonen-Hauptstadt Balboa grenzte direkt an Panama-Stadt (die laut dem Abkommen von 1903 knapp außerhalb des Sperrgebiets geblieben war). Von den Anhöhen betrachtet schmiegte sich Balboa mit Einkaufszentren, Restaurants, Schönheitssalons, Clubhäusern in eine sanft geschwungene Gartenlandschaft. Nur ein paar Steinwürfe entfernt duckten sich die Elendsviertel El Chorrillo und Curundu mit windschiefen Hütten, durchzogen vom Gestank der Abwässer und Abfälle. Den meisten Panamenos, den Einheimischen von außerhalb der Kanalzone, war das Betreten der Zone und damit auch der Kommissionsläden untersagt. Für die Arbeiter im Sperrgebiet, vor allem aus der Karibik, galten gesonderte und beschränkte Zugänge.


Das übersteigerte Selbstbewusstsein der USA sank allerdings ab Mitte der Siebzigerjahre. Der Krieg in Vietnam ging verloren. Mit den Einbrüchen der republikanischen „Klempner“ unter Präsident Richard Nixon in das Hauptquartier der Demokraten im Watergate-Gebäude erreichte damals das Vertrauen in Washingtons Politiker seinen Tiefpunkt. 1974 musste Nixon als erster US-Präsident zurücktreten. Zwei Jahre später besiegte mit dem demokratischen Außenseiter Jimmy Carter der allererste Kandidat aus dem Süden den nach Nixon ins Amt gefolgten Präsidenten Gerald Ford.


Als Carter im Januar 1977 sein Amt antrat, war er davon überzeugt, dass die Zeit für die hegemoniale Rolle der USA und für ihre Auftritte als Weltpolizist ablief. Seine Regierung wollte deshalb die Beziehungen zu bisherigen Gegnern und abhängigen Staaten normalisieren. Dazu zählten auch Panama und die Kanalzone, die in der Welt nicht länger als koloniales Protektorat der USA gelten sollten.


Dem neuen US-Präsidenten damals konnte es nicht schnell genug gehen – so wie dem neuen Präsidenten heute, nur mit völlig entgegengesetzten Zielen. Schon wenige Monate nach seinem Amtsantritt unterzeichnete Carter mit Omar Torrijos das Abkommen, das die Übertragung der gesamten Kanalzone von den USA an Panama bis Ende 1999 zusicherte. Den feierlichen Akt am 7. September 1977 hatten Carters Regisseure als großes Welttheater für den amerikanischen Kontinent inszeniert. Präsident Torrijos sorgte sich, mit der Abordnung seines kleinen Landes nicht repräsentabel genug zu erscheinen und erschien mit den berühmten Schriftstellern Gabriel García Márquez und Graham Greene als Schmuckfedern seiner Delegation.


Carters Abkommen von 1977, das die Hoheit über die Kanalzone für Ende 1999 an Panama übertrug, bestand aus zwei Verträgen. Es wäre um ein Haar im US-Senat gescheitert. Vor allem republikanische Falken warfen dem Präsidenten vor, die Interessen der USA verraten zu haben. Sein härtester Gegenspieler war Ronald Reagan, der sich gerade um die Präsidentschaftsandidatur der Republikaner bewarb.


Das US-Militär testete alle Arten chemischer Waffen


Ein Ausspruch Reagans, der zur Parole der Konservativen wurde, klingt heute wie ein Stichwort für Donald Trump: „Wir haben den Kanal gebaut, wir haben ihn bezahlt und wir werden ihn behalten.“ Carters Anhänger setzten sich am Ende nur mit einer Stimme durch – allerdings nicht ohne Zugeständnisse an ihre konservativen Widersacher. So erhielten die USA die Möglichkeit eingeräumt, autonom – also ohne Abstimmung mit Panama – Maßnahmen zum Schutz der Neutralität des Kanals zu ergreifen (besonders präzise nachzulesen bei Margarita Gonzáles, die gleich nach Ablauf der Übergangszeit 1999 den völkerrechtlichen Status des Kanals analysierte).


Die Verträge von 1977 verpflichteten die USA aber auch, auf den Stützpunkten und Übungsplätzen alle Gefahren für Leben, Gesundheit und Sicherheit vor ihrem Abzug bis zum Jahr 2000 beseitigt zu haben. Denn jahrzehntelang hatte das US-Militär in der Kanalzone und im Lande selbst alle Arten chemischer Waffen von Phosgen-Gas bis Sarin getestet; seit Anfang der Sechzigerjahre auch Agent Orange, das Entlaubungsmittel mit TCDD, das die USA von 1961 an im Vietnamkrieg einsetzten. Allerdings enthielt diese Auflage eine Hintertür durch den Halbsatz „insofar as may be practicable“, soweit es möglich ist.


Vor allem mit dieser Klausel wiesen die USA in vielen Fällen ihre Verpflichtungen zurück. So enthielten sie Panama Unterlagen über verwendete Kampfmittel und Testgebiete vor. „Wir besitzen immer noch keinerlei Informationen – weder über die Zahl der Kampfmittel, noch in welchem Zustand sie sind“, so Ana Elena Porras zum Autor. Die Anthropologin ist die Enkelin des einstigen Präsidenten Belisario Porras. Der hatte den Panamakanal 1914 zusammen mit den USA-Repräsentanten feierlich eröffnet.


Wer im Museo del Canal Interoceánico in Panama-Stadt die alten Filmaufnahmen von der Unterzeichnung der Rückgabe an Panama 1977 durchsieht, dem fällt in der langen Galerie der Beteiligten direkt hinter Carter und Torrijos der Mann auf, der als Einziger eine schwarze Sonnenbrille trägt. Manuel Noriega, so sein Name, besaß zum Zeitpunkt dieser feierlichen Zeremonie viele wohlwollende Bekannte ringsum bis hin zum damaligen CIA-Direktor George Bush senior. Der hatte den panamaischen Amtskollegen Noriega in jenen Jahren nicht nur zweimal zum Essen eingeladen (was er später als US-Präsident vergeblich leugnete), sondern ihm auch die Dienste für den US-Geheimdienst mit jährlich 110 000 Dollar honoriert.


Das zahlte sich aus: Vier Jahre nachdem Noriega der Unterzeichnung beigewohnt hatte, begann er, bei den Kokainkartellen in Kolumbien für die Drogen-Schwarzgelder zu sorgen, mit denen die US-Regierung unter Reagan am Kongress vorbei die rechten Contras in Nicaragua finanzierte. Im selben Jahr trat der Drogen- und Waffenschieber als Machthaber das Erbe Omar Torrijos an, der bei einem nie aufgeklärten Flugzeugabsturz umkam.


Doch kurz nachdem George Bush senior im Januar 1989 ins Weiße Haus eingezogen war, gab er die Anweisung, Noriega aus dem Weg zu räumen. Das Unternehmen Just Cause, „Gerechte Sache“, begann am 19. Dezember im Schatten der Freudenfeiern über den Mauerfall in Berlin. 27 700 US-Soldaten stürmten das 122-mal kleinere Panama, begleitet von den ersten mit Tarnkappen-Technik ausgerüsteten Kampfflugzeugen.


Mehr als 400 Bomben trafen vom 20. Dezember an kurz nach Mitternacht die Stadt Panama. Präzisionsgelenkte Geschosse zerstörten Noriegas Kaserne und setzten das Armenviertel El Chorrillo in Brand. Ganze Straßenzüge mit Holzhäusern aus der Frühzeit des Kanalbaus zu Beginns 20. Jahrhunderts sanken in Schutt und Asche.


Vier Tage dauerte die Suche nach der einzigen Person, gegen die sich die Vendetta der Weltmacht richtete. Nachdem Noriega in der Botschaft des Vatikans Zuflucht gesucht und keinen Ausweg mehr hatte, endete die Invasion. Die Opfer aufseiten der panamaischen Bevölkerung blieben ungezählt. Viele Tote, besonders aus El Chorrillo, wurden in Massengräbern bestattet.


Fast ein Vierteljahrhundert ist es nun her, seit sich die Amerikaner zurückgezogen haben. Bald aber könnten sie wiederkommen – falls Donald Trump seine Drohungen wahrmacht. In Panama lösen sie naturgemäß Empörung aus. So sagte der Gewerkschaftsführer Saúl Méndez: „Panama ist ein souveränes Territorium, und der Kanal hier ist panamaisch.“ Aber es wäre nicht das erste Mal, dass Panama nicht über sein eigenes Schicksal bestimmen darf.


unser Kommentar: Als Information zur Kenntnisnahme, wobei für uns das kriegerische Geschehen, wie z. B. in der Ukraine sowie in Israel, Palästina und sonstwo, keinerlei Zustimmung bzw. Rechtfertigung erhält.

30.03.2025

Schlagzeile






Info:


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30.03.2025

Video 07:07 Min. Demo gegen US-Mittelstreckenraketen

Screenshot_2025_03_31_at_22_36_38_Wiesbaden_Demo_gegen_Stationierung_von_US_Mittelstreckenraketen_Video_hessenschau.de_TV_Sendung

Video   Dauer 07:07  min


hessenschau.de, vom 29.03.25, 19:30 Uhr, Veröffentlicht am 29.03.25 um 20:28 Uhr, 07:07 Min.| hessenschau|

In Europa wird breit über Verteidigungsbereitschaft diskutiert – und auch über die Tatsache, dass ab dem kommenden Jahr in Deutschland US-Mittelstreckenraketen stationiert werden sollen. Dagegen hat am Samstag in Wiesbaden ein Zusammenschluss aus rund 150 Friedensinitiativen protestiert. Mit dabei war eine prominente amerikanische Friedensaktivistin.


Info: https://www.hessenschau.de/tv-sendung/demo-gegen-us-mittelstreckenraketen,video-208988.html


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30.03.2025

Gekaperte "Eventin" jetzt mit deutscher Besatzung

aus e-mail von Doris Pumphrey, 30. März 2025, 18:22 Uhr


_RTDE 30.3.2025


_*Gekaperte "Eventin" jetzt mit deutscher Besatzung


*Das Drama um den Tanker, der im Januar havariert war, geht weiter.

Zuletzt hatte der Zoll das Schiff beschlagnahmt. Und mittlerweile werden

Zweifel an dem Vorgehen lauter geäußert, ausgerechnet von der Stiftung

Wissenschaft und Politik.


Nach Meldung

<https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Eventin-vor-Ruegen-beschlagnahmt-Sanktionsexperte-sieht-erhebliche-Eskalation,eventin122.html

des /NDR/ wurde die Besatzung des Tankers "Eventin", auf dem im Januar

die elektrischen Systeme ausgefallen waren und der daraufhin nach Rügen

geschleppt wurde, mittlerweile ausgetauscht. Damit ist jedoch auch die

gesamte Haftung an Deutschland übergegangen, weil durch die

Beschlagnahme das Eigentum und durch den Besatzungstausch auch die

physische Kontrolle beim Bundesfinanzministerium liegt.


Das Schiff, das unter der Flagge Panamas fährt, war zuerst nach Rügen

geschleppt worden, weil es ohne Stromversorgung in einem aufziehenden

Sturm die Position nicht halten konnte. Damit war es aber auch in die

Fänge des Zollamts Stralsund geraten, das bereits Anfang 2024 wochenlang

einen ebenfalls havarierten Frachter in Rostock wegen angeblichen

Sanktionsverstoßes festhielt, der unter anderem Uran für

US-Kernkraftwerke geladen hatte.


Das Schiff, auch das ist mittlerweile klar, hat Schweröl geladen.

Schweröl wird üblicherweise als Treibstoff für Schiffe verwendet und ist

mehr Teer als Öl, muss also, auch ehe es verbrannt werden kann, erst

erhitzt werden. Nachdem bisher unklar ist, ob die "Eventin" tatsächlich

wieder aus eigener Kraft manövrierfähig ist, muss dieses Schweröl

womöglich auf See abgepumpt werden. Der Marktwert des geladenen Öls soll

bei 40 Millionen Euro liegen.


Allerdings ist unklar, ob nicht Schiffseigner und Besitzer des Öls auf

Schadensersatz klagen werden. Die Begründung für die Beschlagnahme

lautete schließlich "Sanktionsverstoß" ‒ genau das Gleiche, was das

Zollamt Stralsund bereits im Fall des oben erwähnten Frachtschiffes

vorgetragen hatte. Eine fragwürdige rechtliche Konstruktion, da Schiffe

exterritorial sind. Im Falle der "Eventin" bedeutet das, dass sich die

Fracht auf einem Stück panamaischen Gebiets befindet. Selbst wenn das

Schiff in Deutschland anlegt, gilt die Ladung erst dann als auf

EU-Gebiet eingetroffen, wenn sie das Schiff verlässt.


Erstaunlich am Fall der "Eventin" ist, dass mittlerweile andere Schiffe,

die festgesetzt worden waren, wie die von Finnland festgesetzte "Eagle

S", wieder freigegeben wurden, da sich die Vorwürfe, sie hätten

Unterseekabel beschädigt, als unhaltbar erwiesen haben.


Das Vorgehen gegen die "Eventin" dürfte jedenfalls nach wie vor die

Fortsetzung einer Strategie sein, die auch die Festsetzungen anderer

Schiffe auslöste:

/"Wie der NDR aus Sicherheitskreisen erfuhr, dürfte die Beschlagnahmung

des Schiffes auch auf die Beschlüsse des NATO-Ostsee-Gipfels im Januar

in Helsinki zurückzuführen sein."/


Damals, Mitte Januar, war noch in Abstimmung mit der Regierung Biden

beschlossen worden, die NATO-Präsenz in der Ostsee zu verstärken und den

Zugang Russlands zu den maritimen Handelswegen zu erschweren. Allerdings

dürfte sich durch den Regierungswechsel in den Vereinigten Staaten auch

die dortige Haltung gegenüber weiteren Provokationen in der Ostsee

geändert haben. Nur das Zollamt Stralsund und das anweisende deutsche

Finanzministerium scheinen an diesem Kurs festzuhalten.


Beim /NDR/ äußerte ein Vertreter der BND-nahen Stiftung für Wissenschaft

und Politik (SWP), Sascha Lohmann, nun deutliche Kritik an diesem

Vorgehen. Es handle sich um eine "erhebliche Eskalation". Es sei nicht

sicher, ob man das Schleppen des mit Motorschaden havarierten Tankers in

deutsche Hoheitsgewässer als Einfuhrvorgang bewerten könne. Die

Beschlagnahme sei mit "politischem Risiko" verbunden, "man überspringt

Eskalationsstufen". Die Bundesregierung betrete "weitgehend rechtliches

Neuland im Sanktionsbereich". Lohmann bleibt immer noch höflich, aber es

ist nicht zu verkennen, dass er dieses Handeln für einen Fehler hält:

/"Überraschend ist, dass die Bundesregierung das Risiko eingeht, dies

auf nicht ganz klarer Rechtslage zu tun."/


Der vom /NDR/ als Sanktionsexperte eingeführte Sascha Lohmann wird

übrigens bei der SWP als Mitarbeiter der Forschungsgruppe Amerika geführt.



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30.03.2025

Grüner "Freiheitsdienst" oder: wie man Reichsarbeitsdienst und Volkssturm kreuzt

freedert.online, 30 Mär. 2025 17:35 Uhr, Von Dagmar Henn

Die Grünen sind irgendwie wie diese Transformers, Autos, die zu Kriegsrobotern werden, oder wie Werwölfe, die Menschen zu sein scheinen, aber letztlich doch Wölfe sind; es ist gerade gewissermaßen Vollmond, und ihr wahres Wesen tritt hervor. Und es ist abscheulich.


Grüner "Freiheitsdienst" oder: wie man Reichsarbeitsdienst und Volkssturm kreuzt© Josef Moser, CC BY-SA 4.0 , via

Wikimedia Commons


Reichsarbeitdienst. Modriach, Steiermark, ca. 1940


Vielleicht ist der Antrieb ja unschuldiger, als ich mir das vorstelle, und es sind gar keine alten braunen Sumpfblasen, die da durch die grüne Algenblüte brechen, sondern sie haben nur an die kommende Entwicklung der Arbeitslosigkeit gedacht, zu der sie gerade mit ihrem "klimaneutral bis 2045" gehörig beigetragen haben. Aber irgendwie ist der Plan so destruktiv, dass ich das kaum glauben mag.


Das ganze Konzept stammt von den bayerischen Grünen. Sie wollen eine Dienstpflicht von sechs Monaten, für alle, von 18 bis 67. Männlein wie Weiblein. "Wehrdienst, Dienst im Bevölkerungsschutz, bei Feuerwehr oder Hilfsorganisationen oder sechs Monate Gesellschaftsdienst", fasst das der Spiegel zusammen, und "schon abgeleistete Dienste oder bestimmte ehrenamtliche Tätigkeiten sollen angerechnet werden".


Corona-Aufarbeitung: Rückblick auf Reden verantwortlicher Politiker – Katharina Schulze





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Da liegt der erste Hund begraben. 16,4 Millionen Deutsche waren, sagt eine Studie von Allensbach, 2024 ehrenamtlich tätig. Die Spanne ist dabei breit, von Sportvereinen über Kommunalpolitik bis zu Kirchengemeinden oder Kultur. Das Bundesinnenministerium behauptet unter Berufung auf den Freiwilligensurvey 2019 sogar, 39,7 Prozent der Bevölkerung hätten sich sich ehrenamtlich engagiert. Warum also sollte man Menschen zu etwas zwingen, das sie schon freiwillig tun? Und wie kommt man nur auf den Gedanken, wenn man etwas Freiwilliges zur Pflicht macht, würde das die Beteiligung erhöhen? Es wird genau das Gegenteil der Fall sein. Denn für viele ist das Ehrenamt der Bereich, in dem sie – oft im Gegensatz zur täglichen Arbeit – etwas tun, das ihnen am Herzen liegt, etwas, das sie selbst gewählt haben.

Aber es heißt ja, nur "bestimmte ehrenamtliche Tätigkeiten" sollen angerechnet werden. Also die Freiwillige Feuerwehr, aber nicht der Vorlesedienst im Kindergarten? Technisches Hilfswerk, aber nicht die Mitarbeit in einem Verein für Alleinerziehende? Es ist schon zu ahnen, dass da ein Teil der ehrenamtlichen Tätigkeiten als "minder wichtig" abqualifiziert werden würde. Wenn aber die Menschen gezwungen werden, einen solchen Dienst zu leisten, und bestimmte Tätigkeiten dafür nicht gelten, hat das zwangsläufig die Folge, dass alles, das dann als "minder wichtig" gilt, tatsächlich weniger getan wird. Das ist keine Bereicherung der Ehrenamtslandschaft, sondern eine Verarmung. Und man kann seinen Hut darauf verwetten, dass alles, was den Grünen politisch nicht in den Kram passt, nicht mitzählt.

Überhaupt, die Altersgrenze schlägt wirklich alles Dagewesene. Von 18 bis 67? Man erkennt schon, die Grünen kennen niemanden, der noch körperlich arbeitet oder gearbeitet hat. Aber Zwangsdienst bis 67, das ist schon extrem dreist. Selbst für den Volkssturm der Nazis war mit 60 Schluss; eine Altersspanne, die sich inzwischen auch die Bundeswehr für Einberufungen im Kriegsfall gönnt. Abgesehen davon galt das bisher nur für Männer. Die Grünen wollen ihre in bester orwellscher Sprachregelung "Freiheitsdienst" genannte Zwangsarbeit für beide Geschlechter.

Wobei sie da Glück haben, dass das mit dem Plan mangels Regierungsbeteiligung nichts wird und ich nicht in Deutschland lebe. Ich bin nämlich der Ansicht, allein drei Kinder aufzuziehen ist durchaus genug Leistung fürs Ganze; auch das ist eine unbezahlte Tätigkeit, die weitaus mehr Anerkennung verdient hat, als sie in der derzeitigen deutschen Gesellschaft erhält. Ich würde mich entschieden weigern, mir von irgendwelchen kleinbürgerlichen Rotzgören erzählen zu lassen, das sei alles wertlos.


Ehrenamt im Winterschlaf – die Kollateralschäden der Corona-Maßnahmen





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Aber man kennt sie ja, die Grünen. In den Worten "angerechnet werden" verbirgt sich nämlich noch etwas, das an ihnen klebt wie Hundekot an der Schuhsohle: Was immer sie schaffen, gebiert monströse Bürokratie. Mit Sachbearbeiterstellen und Antragsformularen und Bescheiden und Gerichtsverfahren und, damit es auch modern aussieht, vermutlich auch noch einer App oder einer Karte mit ganz vielen persönlichen Daten, die dann immer versehentlich an Orten landen, an die sie nicht sollen. Und, ich hätte es fast vergessen, mit einer hübschen, teuren Website, die von einer Edel-Werbeagentur gestaltet wird.

Um eine Pflicht zu verhängen, muss man nämlich erfassen und Buch führen. Das lohnt sich besonders, wenn, wie in diesem tollen grünen Konzept vorgesehen, auch alle in Deutschland lebenden Migranten diesen Dienst ableisten sollen. Das heißt nämlich dann auch, man braucht die Formulare in mehreren Sprachen. Und muss sich dann noch überlegen, wie man denn kontrollieren will, ob die Angaben auch stimmen, was vermutlich die Opfer dieses Dienstes ebenso betrifft wie diejenigen, die diese Dienste ermöglichen sollen.

Das ist noch einmal etwas ganz anderes als eine Wiedereinführung des Zivildienstes. Der ist im Verlauf von Jahrzehnten gewachsen, und er konkurrierte eben nicht mit dem gewöhnlichen Ehrenamt. Klar wären die großen Wohlfahrtsverbände imstande, mit einer solchen neuen Bürokratie umzugehen; es wären die kleinen Vereine, die vermutlich eher auf dieses offizielle Dienst-"Ehrenamt" verzichten, als sich der ganzen Bürokratie auszusetzen, weil sie eben keine Hauptamtlichen haben, die dafür bezahlt werden, solchen Kram zu erledigen. Also auch da: nicht nur die selektive Liste, was "wertvoll" ist und was nicht, wirkt sich auf die Globalverteilung der ehrenamtlich aufgewandten Zeit aus, sondern auch die strukturellen Voraussetzungen.

Das ist wie im Handwerk – je ausgeprägter die bürokratischen Vorschriften, desto stärker sind Großorganisationen und -unternehmen im Vorteil. Und man kann sich schon lebhaft vorstellen, dass sie dann Antragsformulare für Lagerfeuer in Jugendcamps einführen, 30 Seiten lang (schon allein wegen der Klimaneutralität), weil erstens alles, was irgendwie noch Ehrenamt abbekommen will, sich den Regeln unterwerfen muss, und zweitens da, wo Verbote nicht durchsetzbar wären, gern mit bürokratischer Quälerei gearbeitet wird. Das ist nämlich die ideale Technik, wenn man behaupten will, Menschen hätten bestimmte Rechte, und gleichzeitig dafür sorgen, dass sie diese nicht in Anspruch nehmen. Ja, sie würden es mühelos schaffen, jedes Ehrenamt in eine Qual zu verwandeln. Schon wenn man sich eine "anrechenbare" ehrenamtliche Tätigkeit vorher genehmigen lassen muss.


Frauen an die Front? Dänemark startet Wehrpflicht für Frauen, deutsche MiniKo noch uneins




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Katharina Schulze, Fraktionschefin der bayerischen Grünen, die zuletzt auffiel, als sie erklärte, dass "die Erde brennt", erklärte: "Es ist an der Zeit, die Frage zu stellen: Was kannst du für dein Land tun?" Definitiv die passende Frage zu den derzeitigen deutschen Zuständen, aber wenn man sich diese Frage ernsthaft stellen würde, würde das Ergebnis den Grünen sicher nicht gefallen. Es gibt nun einmal grundsätzliche Unterschiede zwischen Zeiten des Aufbruchs und Zeiten des Zerfalls, und dieser Spruch von John F. Kennedy gehört nicht in eine Zeit des Zerfalls. Aber als Grüne lernt man, da in die andere Richtung zu schauen.

Es geht nur noch schlimmer. Denn bei dem, was sie außerdem noch sagt, klingen sie mit, der Reichsarbeitsdienst und der Volkssturm, denn es ist eines unübersehbar: Schulze leitet nicht das Militärische von der Gesellschaft ab, sondern die Gesellschaft vom Militärischen.

"Der Reichsarbeitsdienst soll die deutsche Jugend im Geiste des Nationalsozialismus zur Volksgemeinschaft und zur wahren Arbeitsauffassung, vor allem zur gebührenden Achtung der Handarbeit erziehen. Der Reichsarbeitsdienst ist zur Durchführung gemeinnütziger Arbeiten bestimmt."

Nein, halt, falsches Zitat. Das ist nicht Schulze, das ist das Original. Heute klingt das so:

"Damit wir als Gesellschaft robuster werden, unsere Freiheit verteidigen und das Miteinander stärken, braucht es uns alle. Der Freiheitsdienst ist ein Gemeinschaftsprojekt für Deutschland von allen für alle. Durch den Freiheitsdienst verbinden wir Generationen und Milieus, stärken unsere Gesellschaft und verteidigen, was uns wichtig ist."

Es tut mir leid, das ist eine Variante derselben Melodie, sogar in derselben Tonart. Das Ziel ist der Krieg, und der Weg dahin ist eine völlige Militarisierung der Gesellschaft. Das ist keine Stärkung ehrenamtlicher Tätigkeiten, das ist eine Unterordnung des Ehrenamts unter die mentale Aufrüstung. Und das ab der Volljährigkeit durch alle Altersgruppen, die noch laufen können. Die neue Losung der Grünen lautet: Pflugscharen zu Schwertern. Daran sollen die Deutschen jetzt mit allen Mitteln gewöhnt werden. Und der Hauptunterschied zwischen dem Originalkonzept und seiner grünen Version ist die bessere PR-Abteilung.


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Info: https://freedert.online/meinung/241092-gruener-freiheitsdienst-oder-wie-man


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30.03.2025

New York Times enthüllt "geheime Geschichte" der US-Beteiligung am Ukraine-Konflikt

freedert.online, 30 Mär. 2025 15:54 Uhr

Washington wurde durch die Lieferung wertvoller Aufklärung und strategischer Unterstützung "Teil der Tötungskette", so ein Beamter. Von westlichen Medien war lange bestritten worden, dass die Beteiligung bis zur Weitergabe von Zieldaten reicht.


New York Times enthüllt "geheime Geschichte" der US-Beteiligung am Ukraine-Konflikt

Start einer ATACMS-Rakete von einem Mehrfachraketenwerfer, 2006



Die Regierung von US-Präsident Joe Biden war weit tiefer in die Unterstützung des Kampfes der Ukraine verwickelt, als zuvor eingestanden wurde, ergab eine Nachforschung der New York Times (NYT), die betonte, Washingtons Aufklärung sei für die militärischen Handlungen Kiews unverzichtbar gewesen.

Der ausführliche Bericht, der am Samstag erschien, liefert eine tiefgehende Erkundung einer "außergewöhnlichen Partnerschaft bei Aufklärung, Strategie, Planung und Technologie", die Kiews "Geheimwaffe" wurde, um Russland entgegenzutreten.

Während das Pentagon die Ukraine mit Militärhilfe in Höhe von dutzenden Milliarden US-Dollar versorgte, lieferte es außerdem seit Mitte 2022 entscheidende Aufklärungsdaten, die es Kiew ermöglichten, russische Kommando- und Kontrollzentralen und andere hochwertige Ziele anzugreifen, schrieb die NYT.


Trump: Einfrieren der Weitergabe von Geheimdienstinformationen an Kiew "so gut wie beendet"




Trump: Einfrieren der Weitergabe von Geheimdienstinformationen an Kiew "so gut wie beendet"






Dem Artikel zufolge lag das Herz dieser Partnerschaft in der Einrichtung der US-Armee in Wiesbaden, wo amerikanische und ukrainische Offiziere jeden Morgen die Zielvorgaben festlegten. Die Offiziere vermieden angeblich jedoch, diese Prioritäten "Ziele" zu nennen, und entschieden stattdessen, sie als "Punkte des Interesses" zu bezeichnen, aus Furcht, zu provokativ zu erscheinen.

Die NYT enthüllte zudem, amerikanische und ukrainische Offiziere hätten zusammen größere Gegenoffensiven geplant und massive Angriffe mit weitreichenden westlichen Präzisionswaffen gegen die russische Krim gestartet. Die Angriffe, die mit vom Westen gelieferten Raketen durchgeführt wurden, forderten vor allem zivile Opfer. Beispielsweise wurden bei einem Angriff mit ATACMS auf einen Strand in Sewastopol im Juni 2024 vier Menschen getötet und mehr als 150 verletzt.

Die USA schickten auch dutzende Militärberater in die Ukraine, und einige davon durften in die Nähe der Front fahren.

2024 gestatteten die USA der Ukraine, begrenzte Langstreckenangriffe mit von den USA gelieferten Waffen auf international anerkanntes russisches Gebiet auszuführen ‒ etwas, das monatelang als "rote Linie" galt. Washington belieferte Kiew mit den Zieldaten für diese Angriffe.

Ein europäischer Nachrichtendienstler war von dem Niveau der US-Beteiligung an dem Konflikt schockiert und sagte zur NYT, "sie sind jetzt Teil der Tötungskette".

Die Zusammenarbeit war jedoch zeitweise angespannt, wegen unterschiedlicher Ansichten über die Gesamtstrategie und die Ziele, insbesondere im Vorlauf der gescheiterten ukrainischen Gegenoffensive im südlichen Teil der Front im Sommer 2023.


Trump zeigt der Ukraine die Instrumente





Meinung

Trump zeigt der Ukraine die Instrumente






Die amerikanischen Beteiligten hielten angeblich ihre ukrainischen Counterparts für zu ambitioniert und unempfänglich für strategische Ratschläge, während die Ukrainer den Amerikanern vorwarfen, zu vorsichtig zu sein. Während der Gegenoffensive 2023 war die ukrainische Führung zwischen miteinander konkurrierenden Zielen gespalten ‒ der Durchführung eines Angriffs in Richtung Melitopol und der Verteidigung von Artjomowsk (ukrainisch: Bachmut). Dies soll die einheitliche Strategie, die in Wiesbaden entwickelt wurde, untergraben haben.

Der russische Präsident Wladimir Putin sagte, die Ukraine könne ohne äußere Unterstützung "nicht existieren". Moskau hat wiederholt die westliche Beteiligung im Konflikt angeprangert und gesagt, diese verlängere nur die Feindseligkeiten, ohne ihr Ergebnis zu ändern.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat jedoch Verhandlungen mit Russland aufgenommen mit dem Ziel, den Konflikt zu beenden ‒ ein Engagement, das Moskau als produktiv beschreibt.


Mehr zum Thema ‒ Time: Ohne die US-Aufklärung steigen die ukrainischen Verluste


Screenshot_2025_03_31_at_21_59_46_New_York_Times_enth_llt_geheime_Geschichte_der_US_Beteiligung_am_Ukraine_Konflikt_RT_DE

Video https://vkvideo.ru/video-134310637_456277889?ref_domain=freedert.onlin Dauer 3:29 min


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Info: https://freedert.online/nordamerika/241084-new-york-times-enthuellt-geheime


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30.03.2025

Der Liberalismus ist tot – und das tritt danach ein

freedert.online, 29 Mär. 2025 20:37 Uhr,Von Dmitri Trenin

Der Ausdruck "sich verändernde Weltordnung" ist zu einem gängigen Refrain in internationalen Angelegenheiten geworden. Dabei wird jedoch oft übersehen, wie schnell sich diese Veränderungen vollziehen – und wer sie beschleunigt. In Trumps Welt halten Großmächte keine Moralpredigten – sie konkurrieren.


Quelle: Gettyimages.ru © Getty Images


US-Präsident Donald Trump sieht von der Präsidentenloge im Opernhaus des John F. Kennedy Center for the Performing Arts hinab.


In den internationalen Beziehungen resultieren Regimeänderungen in der Regel aus Krisen: durch Kriege zwischen Großmächten oder Umwälzungen innerhalb dieser. Dies war 1939 bis 1945 und erneut 1989 bis 1991 der Fall. Üblicherweise häufen sich die Probleme über Jahre und Jahrzehnte an, und die Problemlösung kommt unerwartet: Die langsame Bewegung der tektonischen Platten beschleunigt sich plötzlich dramatisch und setzt eine Lawine in Gang, die die Landschaft in kürzester Zeit verändert. In den letzten Wochen hatten wir die Gelegenheit, etwas Ähnliches zu beobachten. Am auffälligsten ist, dass die Haupttriebkraft für diese Veränderungen die Staatsführung war, die bisher die Überreste der alten Weltordnung am hartnäckigsten, ja sogar am erbittertsten, zu verteidigen versuchte.


Atomverhandlungen: Iran zu indirekten Gesprächen mit den USA bereit





Atomverhandlungen: Iran zu indirekten Gesprächen mit den USA bereit






Der lange vorhergesagte und mit Vorsicht erwartete Niedergang der Unipolarität ist früher als geplant eingetreten. Die USA – deren Rolle lange Zeit darin bestand, den liberalen Internationalismus durchzusetzen – versuchen nicht mehr, den Übergang zu einer multipolaren Welt zu verhindern. Vielmehr schließen sie sich ihm unter Donald Trump selbst an.

Dieser Schwenk stellt nicht nur ein Wahlversprechen oder eine rhetorische Wendung dar. Es handelt sich um einen strukturellen Bruch. Innerhalb weniger Wochen gingen die USA vom Widerstand gegen die multipolare Ordnung zu dem Versuch über, diese unter neuen Bedingungen zu dominieren – weniger Moralismus, mehr Realismus. Damit trägt Washington – möglicherweise ohne Absicht – genau zu dem Ergebnis bei, das frühere US-Regierungen so hartnäckig zu verhindern versuchten.

Trumps Amtsantritt zieht weitreichende und dauerhafte Folgen nach sich. Der mächtigste Weltakteur verzichtete darauf, weiterhin die Rolle des Beschützers des liberalen Globalismus zu spielen, und wandte sich etwas Pragmatischerem zu: der Großmachtkonkurrenz. An die Stelle der Menschenrechts- und Demokratieförderung trat das Motto "America First", und zwar nicht nur auf innenpolitischer Ebene, sondern auch in den Außenbeziehungen.

Unter dem neuen US-Präsidenten wurden die Regenbogenfahnen der Black-Lives-Matter-Bewegung und die "Buchstabensuppe" des westlichen Liberalismus ad acta gelegt. Stattdessen hisst er selbstbewusst die Nationalflagge und signalisiert damit Verbündeten und Gegnern gleichermaßen: In der US-Außenpolitik geht es jetzt um Interessen, nicht um Ideologien.


Trump-Gesandter Witkoff: Russland will "zu 100 Prozent" nicht in Europa einmarschieren


Trump-Gesandter Witkoff: Russland will "zu 100 Prozent" nicht in Europa einmarschieren






Das ist keine Theorie, es ist ein geopolitisches "Erdbeben".

Erstens ist Multipolarität nicht mehr nur eine Hypothese. Trump konnte die USA von einem Verfechter der Unipolarität zu einem Akteur der Multipolarität machen. Seine Doktrin – "Wettbewerb der Großmächte" entspricht eher der realistischen Tradition als dem Liberalismus, der in Washington nach dem Ende des Kalten Krieges jahrzehntelang dominierte.

Nach dieser Doktrin besteht die Welt aus souveränen Polen: den USA, China, Russland und Indien – jedes Land verfolge seine eigenen Interessen, wobei diese manchmal im Konflikt zueinander stehen, manchmal sich überschneiden. Zusammenarbeit entstehe nicht aus gemeinsam geteilten Werten, sondern aus gemeinsamen Bedürfnissen. Dies entspricht der Welt, in der sich Russland gut auskennt – und in der es sich wohlfühlt.

Zweitens bedeutet die Wende Washingtons zum Realismus einen fundamentalen Kurswechsel in seinen Weltbeziehungen. Die Ära der liberalen "Kreuzzüge" ist vorbei. So stellte Trump die Finanzierung der USAID ein, kürzte die Budgets für die "Demokratieförderung" und zeigte sich bereit, mit Regimen aller Art zusammenzuarbeiten – solange sie US-amerikanischen Interessen dienen.

Dies ist eine Abkehr von den binären Moralkonzepten der Vergangenheit. Ironischerweise entspricht es eher Moskaus eigener Weltsicht. Unter Trump versucht das Weiße Haus nicht mehr, Liberalismus zu exportieren, sondern vielmehr über die Macht Verhandlungen zu führen.


Trump beginnt einen kleinen Krieg im Nahen Osten - Was steckt dahinter?




Analyse

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Drittens: Es gibt keinen "Westen" mehr, wie wir ihn kannten. Der durch eine gemeinsame Ideologie und transatlantische Solidarität definierte liberale "Kollektive Westen" existiert nicht mehr in seiner bisherigen Form. De facto zogen sich die USA aus ihm zurück, indem sie den nationalen Interessen Vorrang vor globalistischen Verpflichtungen einräumten.

Übrig bleibt nur ein zersplitterter Westen, gespalten zwischen nationalistisch geführten Regierungen wie der Trumps und traditionelleren "Hochburgen" des Liberalismus in Brüssel, Paris und Berlin. Der Konflikt zwischen diesen beiden Visionen – Nationalismus versus Globalismus – stellt nun den maßgeblichen Politikkampf im gesamten Westen dar.

Dieser Kampf wird noch lange andauern. Trumps Dominanz mag auf den ersten Blick als gesichert erscheinen, doch es gibt weiterhin starken innenpolitischen Widerstand. Sollten die US-Republikaner die Zwischenwahlen 2026 verlieren, könnten Trumps politische Ambitionen zur Durchsetzung seines Programms eingeschränkt werden. Außerdem darf er laut dem US-Verfassungsrecht bei den Präsidentschaftswahlen 2028 nicht mehr als Kandidat antreten, was bedeutet, dass ihm nur wenig Zeit zum Handeln bleibt.

Während der Westen zerbricht, wird die "Weltmehrheit" – als eine Art informelle Koalition von Nicht-Westblock-Staaten – immer stärker. Ursprünglich wurde dieser Begriff als Bezeichnung für Staaten eingeführt, die sich gegen Sanktionen gegen Russland und Waffenlieferungen an die Ukraine aussprachen. Heute repräsentiert er eine viel umfassendere politische Neuausrichtung in der Welt.


Verhandlungen von Moskau und Washington in Riad – Beginn eines langen Weges





Analyse

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Bei der "Weltmehrheit" handelt es sich nicht um ein formelles Bündnis, sondern um eine gemeinsam vertretene Position: Vorrang der Souveränität vor Unterordnung, des Handels vor der Ideologie, der Multipolarität vor der Hegemonie. Die BRICS, die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) und andere regionale Zusammenschlüsse entwickeln sich zu echten Alternativen zu den vom Westen geführten Institutionen. Der Globale Süden stellt keine Peripherie mehr dar, sondern ist eine Weltbühne.

Wir sind Zeugen der Konsolidierung einer neuen "Großen Drei": USA, China und Russland. Wahrscheinlich wird sich ihnen Indien anschließen. Es handelt sich nicht um ideologische Verbündete, sondern um Zivilisationsmächte, die jeweils ihren eigenen Weg verfolgen.

Deren Beziehungen basieren auf Transaktionen, nicht auf Sentimentalität. So gelang China während der russischen Militäroperation in der Ukraine einen Balanceakt: Das Land unterhält eine strategische Partnerschaft mit Moskau und sichert sich gleichzeitig den Zugang zu den westlichen Märkten.

Das ist kein Verrat, sondern diplomatisches Geschick. In der multipolaren Welt achtet jeder Akteur auf seine eigene Flanke. Russland respektiert das. Und es verhält sich zunehmend auf dieselbe Art und Weise.

Ein weiteres Thema betrifft die Positionierung Moskaus in der neuen "Weltordnung". Russland konnte in den vergangenen zwei Jahren an Eigenständigkeit und Durchsetzungsvermögen gewinnen und wurde zu einem zentralen Akteur im Weltordnungssystem. Der Ukraine-Krieg und die Widerstandsfähigkeit der russischen Wirtschaft, Gesellschaft und Armee führten zu einer veränderten globalen Wahrnehmung.


Interview mit Werner Rügemer: Trumps "America First" – ein Strategiewandel der USA?





Analyse

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Russland wird nicht mehr als Juniorpartner oder Regionalmacht behandelt. Es steht nun auf gleicher Augenhöhe mit Washington, Peking und Neu-Delhi. Diese Veränderung ist nicht nur in der Diplomatie sichtbar, sondern auch im globalen Logistiksystem: neue eurasische Handelskorridore, erweiterte BRICS-Zusammenarbeit und zunehmende Verwendung nationaler Währungen im Handel.

Der Ukraine-Konflikt bestätigte den Status Russlands als eine der führenden Weltmächte, die in der Lage ist, ihren berechtigten Platz in dieser Welt einzunehmen. Wir dürfen uns keinen Illusionen hingeben und uns entspannen. Dass Amerika sich indessen dem Realismus zuneigt, ist das Resultat des von der russischen Armee erzielten Erfolgs, der Widerstandsfähigkeit der russischen Wirtschaft und der Einheit des russischen Volkes.

Es ist jetzt wichtig, diese Dynamik fortzusetzen. Auch wenn die USA sich in Richtung Realismus umorientierten, bleiben sie doch ein Konkurrent für uns. Russland muss seine technologische Souveränität weiter stärken, die Beziehungen zu Asien vertiefen und eine Außenpolitik betreiben, die auf Pragmatismus und nicht auf Nostalgie basiert.

Russland sollte weiterhin die innenpolitischen Konfrontationen im Westen im Auge behalten – insbesondere den US-Präsidentschaftswahlzyklus und die Spannungen innerhalb der EU. Allerdings sollte es seine Politik nicht mehr von der Akzeptanz oder Billigung des Westens abhängig machen. Hinzu kommt, dass der Dialog zwischen Moskau und Washington zu immer angespannteren Beziehungen zu den westeuropäischen Ländern führt.


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Meinung

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Die Einheit des Westens hängt zunehmend von auferlegten Bedingungen ab, demonstriert Merkantilismus und Widersprüchlichkeit. Frankreich, Deutschland und Italien könnten mit politischen Turbulenzen konfrontiert sein. Die Integration könnte ins Stocken geraten. Russlands Engagement muss daher taktischer Natur sein die Ohren steif halten, ohne die Karten offen auf den Tisch zu legen.

Es lohnt sich nicht, auf den Moment zu warten, in dem eine neue Weltordnung proklamiert wird – sie ist bereits da. Es handelt sich nicht mehr nur um eine theoretische Frage. Jetzt beginnt der Kampf um die Weltmachtpositionen. Die Welt wurde nicht deshalb multipolar, weil jemand es wollte, sondern weil es zu einer Machtverschiebung kam. Die Ursache dafür liegt nicht allein bei Trump. Aber er – vielleicht unbewusst – beschleunigte diesen Prozess.

Russlands Aufgabe ist es nun, nicht die Fehlerhaftigkeit der alten Weltordnung zu betonen, sondern seinen Platz in der neuen zu sichern.

Übersetzt aus dem Englischen.

Dmitri Trenin ist Forschungsprofessor an der Moskauer Higher School of Economics und leitender Forscher am Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen. Außerdem ist er Mitglied des russischen Rates für internationale Angelegenheiten.


Mehr zum Thema - Die Lösung des Konflikts in der Ukraine geht in kleinen Schritten voran


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30.03.2025

Ein teuflischer Plan: USA wollen Ukraine komplett übernehmen

berliner-zeitung.de, vom 28.03.2025 20:01 Uhr,Michael Maier

Donald Trump will die Ukraine kaufen. Für die Russen wäre dieser Deal schlimmer als Nato-Truppen an der Grenze. Der EU droht der Zerfall von innen.


Wer spielt hier welches Spiel? Der britische Premier Keir Starmer (M), der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (l) und der französische Präsident Emmanuel Macron.AFP Pool


Die amerikanisch-ukrainischen Verhandlungen treiben auf einen neuen Höhepunkt zu. Wie Reuters, Bloomberg und die Financial Times (FT) berichten, hat Washington Kiew einen neuen, umfassenden Entwurf für eine wirtschaftliche „Partnerschaft“ vorgelegt. De facto würde es sich, wie ein ungenannter ukrainischer Offizieller der FT sagte, um einen „Raubzug“ handeln, der auch das Ende der „Souveränität“ der Ukraine bedeutete. Vor dem Hintergrund der neuen Vorschläge erscheint der „Eklat“ zwischen US-Präsident Donald Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor einigen Wochen im Weißen Haus fast als eine Inszenierung, um Selenskyj im Hinblick auf die Maximalforderungen der USA zu schwächen.

Denn im Unterschied zum ersten Entwurf für einen „Rohstoff-Deal“, dessen Unterzeichnung theatralisch unterblieb, hat der neue Vertrag viel gravierendere Konsequenzen, wie die Kyiv Post berichtet, etwa im Umfang des Abkommens: Frühere Versionen sahen vor, dass 50 Prozent der Einnahmen aus den ukrainischen Öl-, Gas- und Mineralressourcen plus der zugehörigen Infrastruktur an die USA gehen. Die neue Version umfasst jedoch neue, zusätzliche Rohstoffe und alle Einnahmen aus dem öffentlichen und privaten Sektor.

Der Schuldendienst ist härter als im ersten Abkommen: Gemäß dem neuen Abkommen sollen die Einnahmen unmittelbar nach der Förderung in Fremdwährung umgetauscht und die US-Hilfe für die Ukraine zuzüglich eines jährlichen Zinssatzes von vier Prozent zurückgezahlt werden. Die USA haben zudem das Vorkaufsrecht an allen Ressourcen. Die Ukraine hätte erst nach der Rückzahlung Zugriff auf die Gewinne des Fonds.


Ausverkauf der Ukraine: USA planen neuen Rohstoff-Deal, um EU auszustechen

Ausverkauf der Ukraine: USA planen neuen Rohstoff-Deal, um EU auszustechen

Washington hat Kiew ein neues Investitionsabkommen vorgelegt. Es würde die Ukraine faktisch von der EU trennen.

Von Raphael Schmeller

Internationales

28.03.2025


Die neue Vereinbarung hat eine unbefristete Laufzeit, die nur mit Zustimmung der USA geändert oder beendet werden kann. Alle Assets sollen in einen gemeinsamen Investmentfonds eingebracht werden. Die neue Version sieht vor, dass der Fonds von einem fünfköpfigen Vorstand verwaltet wird, von denen drei von den USA ernannt werden und volles Vetorecht haben. Die USA stellen sich außerdem auf den Standpunkt, dass alle ihre Kriegskosten als geleistete Investments in den Fonds eingerechnet werden. Die Ukraine müsse ihre Assets in den Fonds einbringen.

Wenn dieser Plan auch nur in Ansätzen gelingt, dann wäre die EU der große Verlierer – wenn es wie geplant zu einem EU-Beitritt der Ukraine kommt. Die Ukraine wäre als „ausgehöhlter“ Staat ein Transferempfänger der EU. Zugleich wären die wichtigsten Industrien des Landes in US-amerikanischer Hand, oder genauer gesagt: In den Händen der US-Finanzindustrie, die alle diese Geschäfte risikofrei finanzieren würde. Denn mit dem Deal stünden allen US-Unternehmen, die in der Ukraine engagiert sind, der riesige Freihandelsbereich der EU offen. Die heute schon massiven Investments, etwa von BlackRock und anderen Vermögensverwaltern, stünden vor einer rosigen Zukunft, etwa in der Landwirtschaft: Denn die Ukraine könnte mit ihrer großen industriellen Lebensmittelproduktion faktisch alle kleinen und mittleren Landwirtschaftsbetriebe in der EU über den Preis plattmachen.


Vor diesem Szenario warnen die Landwirte in Europa schon lange. Die Gewinne gingen in dem neuen Szenario dann nicht an ukrainische Oligarchen, sondern in die Taschen der großen US-Investmentgesellschaften. Das bedeutet: Beharrt die EU auf dem Beitritt der Ukraine, gelänge den US-Unternehmen durch die Hintertür der Eintritt in die Freihandelszone. Verzichtet die EU dagegen auf den Beitritt Kiews, könnte die USA mit der Ukraine einen wie immer gearteten Freihandelsvertrag schließen - Vorlagen gibt es seit dem gescheiterten TTIP ja zur Genüge. Die Amerikaner könnten auch Ungarn, die Slowakei oder Polen aus der bestehenden EU herausbrechen, und eine Art Gegen-EU etablieren. Auch das ist keine erfreuliche Perspektive für Brüssel.

Vor diesem Hintergrund ist auch zu verstehen, warum Trump seine harte Zollpolitik fährt: Mit der Ukraine als „Trojanischem Pferd“ wäre ein zollfreier Handel auf dem europäischen Markt oder ein wirtschaftlicher Anschluss der Ukraine und Teilen Osteuropas möglich. Auch der von den USA in den Gesprächen mit Russland priorisierte freie Schiffsverkehr im Schwarzen Meer dient diesem Zweck: Die US-Unternehmen wollen die Handelsroute freihalten, um das der Ukraine „geraubte“ Getreide in alle Welt verkaufen zu können.

Russland wäre bei diesem Deal auch nur bedingt auf der Seite der Sieger. Moskau könnte zwar die nach dem Angriff militärisch eroberten Territorien behalten, vielleicht gäbe es den gemeinsamen Betrieb von Nord Stream 2 und ein paar andere Joint Ventures von Gazprom und amerikanischen Öl- und Gasmultis. Doch eine Rückkehr auf den europäischen Markt wäre weitgehend von den Amerikanern blockiert. Daher ist es im Interesse der Amerikaner, dass die EU die Sanktionen gegen Russland beibehält und, wenn möglich, sogar verschärft.

US-Außenminister Marco Rubio deutete auf dem Flug nach Lateinamerika in dieser Woche an, dass ein Frieden noch lange dauern könne – weil die Aufhebung der Sanktionen nicht in der Hand der Amerikaner läge. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzler Olaf Scholz teilten am Donnerstag mit, dass die von den Russen als Bedingungen für den Frieden geforderten Lockerungen für Banken keinesfalls möglich seien.

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte erklärt, er werde das Abkommen nur umsetzen, wenn die EU eine seiner Banken, die Rosselkhozbank (RSHB), wieder vollständig in das belgische SWIFT-Netzwerk für internationale Zahlungen aufnehmen würde. Auch andere russische Banken, die mit Agrarexporten zu tun haben, sollten teilweise entlastet werden, teilte Moskau mit. Die EU hat 23 russischen Banken das SWIFT-Protokoll entzogen. Dies betrifft alle wichtigen Kreditgeber mit Ausnahme der Gazprombank, die internationale Gastransaktionen abwickelt.


Blackrock, J.P. Morgan und Co.: Das große Geschäft mit dem Wiederaufbau der Ukraine

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Berlin

02.03.2025


Kommentar: Trump steckt seine Claims ab – die USA sichern sich in der Ukraine das Öl des 21. Jahrhunderts

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Politik

26.02.2025


Der britische Premier Keir Starmer wandte sich energisch gegen die Aufhebung der Sanktionen und sagte, über solche sei nie gesprochen worden: „Im Gegenteil, wir haben darüber diskutiert, wie wir die Sanktionen verschärfen können, um die US-Initiative zu unterstützen und Russland durch weiteren Druck dieser Ländergruppe an den Verhandlungstisch zu bringen. Das bedeutet, den wirtschaftlichen Druck auf Russland zu erhöhen und neue, härtere Sanktionen zu beschleunigen, die sich auf Russlands Energieeinnahmen auswirken.“ Der Kommentar Starmers ist interessant: Der Finanzplatz London könnte über die enge Vernetzung mit dem US-amerikanischen Kredit- und Investmentsystem an einer US-Übernahme der Ukraine profitieren. Großbritannien ist eigentlich gar nicht mehr Mitglied der EU, bestimmt aber in der Ukraine-Frage das Tempo. Auch Frankreichs Banken dürften mit einem Auge auf einen möglichen Deal und sich daraus ergebendes Neugeschäft schielen. Frankeichs Premier Emmanuel Macron ist als ehemaliger Investmentbanker in London bestens mit den globalen Entwicklungen vertraut.

Dagegen bringen die EU-Politiker wenig Fachkompetenz mit und müssen sich daher auf Durchhalte-Parolen beschränken. Der Vorsitzende des EU-Rates, António Costa, sagte den Staats- und Regierungschefs im Rahmen des Pariser Treffens außerdem laut EU-Observer: „Es wäre ein strategischer Fehler, der Versuchung einer vorzeitigen Lockerung der Sanktionen nachzugeben.“ Tatsächlich führt das Verhalten der EU dazu, dass die USA Zeit gewinnen, um mit der Ukraine einen Deal zu schließen. Je länger die Sanktionen die Russen von wirtschaftlichen Aktivitäten in der Ukraine fernhalten, umso besser.

Das würde auch erklären, warum Trump seinen besten Mann – den früheren Soros-Mann und Hedgefonds-Manager, seinen Finanzminister Scott Bessent, als Emissär in die Ukraine geschickt hat, während Moskau teilweise mit Amateuren wie dem Immobilienentwickler Steve Witkoff abgespeist wird. Es könnte bedeuten, dass die Amerikaner die Verhandlungen gar nicht ernst meinen und zunächst nur sicherstellen wollen, dass Russland die ukrainische Energieinfrastruktur nicht weiter in Schutt und Asche legt – das sollen ja mal künftig US-Assets sein. Die jüngsten Aussagen von Außenminister Marco Rubio erwecken jedenfalls nicht den Eindruck, als hätten es die Amerikaner besonders eilig mit den Verhandlungen, um Leben der jungen Ukrainer und Russen zu retten – wie Trump anfangs noch mit gespielter Anteilnahme behauptet hatte.

Die EU erfüllt für die USA jedenfalls den Zweck, den finanziellen Spielraum der Russen mit allen Mitteln zu beschneiden: Neben der SWIFT-Sperre umfassen die EU-Sanktionen das Einfrieren von Vermögenswerten der russischen Zentralbank in Höhe von rund 210 Milliarden Euro, ein Embargo auf den Handel mit Russland im Wert von 140 Milliarden Euro pro Jahr sowie Visaverbote und Vermögenssperren für 2.400 russische Einzelpersonen und Unternehmen.

Russlands Präsident Wladimir Putin scheint mittlerweile zu dämmern, dass er als Maximum von den Amerikanern Teile der vier Oblaste, die Krim und eine einigermaßen stabile Lage im Schwarzen Meer bekommen kann. Das ist ein gewisser Erfolg. Doch Putin sagte kürzlich vor russischen Unternehmern, er gehe von der unbegrenzten Gültigkeit der Sanktionen aus, Russland müsse sich weiter in Richtung Brics orientieren.

Als Mann der Wirtschaft weiß Putin: Mit einer starken wirtschaftlichen Präsenz der Amerikaner in der Ukraine wären die russischen Ambitionen in der Nachbarschaft und in der Welt wirkungsvoller eingehegt als mit der Präsenz von Nato-Truppen. Auch der ukrainische Präsident Selenskyj hat daher den US-Vorschlag nicht rundweg abgelehnt. Allerdings erklärt er, die Ukraine wolle die laut der European Pravda in dem Vertragsentwurf mit 120 Milliarden Dollar bezifferten Kriegs-Zahlungen der USA nicht als Schulden anerkennen. Allerdings werden bei großen internationalen Verträgen auch immer wieder Provisionen gezahlt, um den einen oder anderen Schritt zu ermöglichen. In diesem Zusammenhang haben die Amerikaner sicher mehr zu bieten als alle anderen, weil die Zahlungen in US-Dollar vor jedem amtlichen Zugriff sicher sind, wenn die US-Regierung dafür die Grundlage schafft.

Der EU droht bei einem solchen Szenario der Zerfall: Schon jetzt sind die Staaten heillos zerstritten. Am Freitag sagte Italiens Ministerpräsidentin Georgia Meloni, es sei kindisch, sich gegen die USA unter Donald Trump zu stellen. Frankreich, Italien und Spanien haben die EU-Forderung von Ursula von der Leyen nach mehr Schulden abgelehnt, weil sie schon genug Schulden hätten. Ausgerechnet Deutschland springt nun in die Bresche und will über Friedrich Merz das internationale Bankengeschäft durch Kriegs- und Infrastruktur-Kredite beleben. Der deutsche „Beitrag“ zu einer sich rapide ändernden Gefechtslage entspricht einer allgemein sehr eingeengten Sicht der EU-Politiker: Sie wollen alle Kräfte in die Rüstung stecken und merken nicht, dass Teile der europäischen Wirtschaft in Ermangelung von Profitabilität, Innovation, Technologie oder Marktorientierung eines Tages wie ein fauler Apfel in den Schoß ihrer globalen Wettbewerber zu fallen drohen - lange bevor Putin seinen ersten Panzer nach Brandenburg geschickt hat.

Der Eintritt der US-Konzerne in das EU-Freihandelssystem würde dazu führen, dass alle US-Konzerne mit Sitz in der Ukraine vom freien Waren- und Personenverkehr in der EU profitieren würden. Der Wettbewerb für europäische Unternehmen würde sich drastisch verschärfen – mit gravierenden Folgen für die Innovationsfähigkeit, den Arbeitsmarkt und die Sozialsysteme im „Alten Europa“.


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Info: https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/ein-teuflischer-plan-usa-wollen-ukraine-komplett-uebernehmen-li.2311608


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30.03.2025

„Am Bargeld hängt die Freiheit“  – Initiative nimmt immer mehr Fahrt auf

seniora.org, 28. März 2025, Hakon von Holst  – 19.03.2025  – übernommen von bargeld.info / stuttgarter-zeitung.de

Die Stuttgarter Zeitung sprach mit Hansjörg Stützle über Kartenzahlungen als Konsummotor, die Bargeldabschaffung auf Behörden und in der freien Wirtschaft sowie über die Beweggründe seines Engagements für das Bargeld.


Wer mit Karte einkauft, besitzt eine höhere Zahlungsbereitschaft. Immer und immer wieder kommen wissenschaftliche Untersuchungen zu diesem Ergebnis. Ein Team um Emma Runnemark von der Wirtschaftsuniversität Copenhagen Business School zum Beispiel prüfte die Zahlungsbereitschaft von Studenten. Jeder erhielt gleich viel Geld für seine Teilnahme an der Studie. Doch wer mit einer Debitkarte ausgestattet war anstatt mit Bargeld, gab 36 Prozent mehr aus für ein Bier und 52 Prozent mehr für einen Kaffee.

Darum warnt Hansjörg Stützle in der Stuttgarter Zeitung (StZ): »Man verliert die Kontrolle über das Geld und realisiert nicht mehr den Austauschvorgang   – man gibt sein Geld nicht mehr physisch aus den Händen, meistens überlegt man dabei nicht einmal mehr, ob der Gegenwert stimmt.« Was Hansjörg Stützle außerdem motiviert hat, bislang über 125.000 Unterschriften für den europaweiten Schutz des Bargelds zu sammeln, lesen Sie in der Onlineausgabe der StZ:

StZ-Interview: »Am Bargeld hängt die Freiheit« vom 27.02.2025 Herr Stützle, mit einer Giro-Karte geht es im Supermarkt an der Kasse meistens schneller. Was spricht gegen bargeldlosen Zahlungsverkehr?

Stützle: Schneller geht es ja nur bei kontaktlosem Zahlen, nicht aber mit Pin oder Unterschrift. Mein Haupteinwand: Man verliert die Kontrolle über das Geld und realisiert nicht mehr den Austauschvorgang   – man gibt sein Geld nicht mehr physisch aus den Händen, meistens überlegt man dabei nicht einmal mehr, ob der Gegenwert stimmt.


Diese Toilette nimmt nur noch digitales Geld an. Foto: dpa/Peter Kneffel



Können Sie das belegen?

Verschiedene Studien zeigen: Mit Karte gibt ein Kunde viel mehr Geld aus. Er akzeptiert beim Kaufvorgang höhere Preise: beim Bier bis zu etwa 35 Prozent mehr, bei der Tasse Kaffee bis circa 50 Prozent zusätzlich. Je nach Situation steigt die Ausgabenfreude mit Karte auf bis zu 100 Prozent.

Sie warnen davor, dass Bargeld schleichend abgeschafft werden soll. Wer könnte daran ein Interesse haben?

Man muss nur dem Prinzip „Cui bono?“   – Wem nützt es?   – folgen, dann findet man die vielzähligen Interessenlagen etwa der Finanzindustrie und weiteren sehr mächtigen Institutionen. Es ist bekannt, dass Bargeld sich nicht mehr halten kann, wenn die Barzahlungsquote unter rund 15 Prozent fällt. Dann wird Bargeld zu teuer und die Infrastruktur kann nicht mehr aufrechterhalten werden. Die Notenbanken äußern ganz klar: „Das Euro-System wird weiterhin Banknoten anbieten und deren Nutzung ermöglichen, solange die Nachfrage besteht.“ Gehen die Entwicklungen so weiter, schaffen wir Bürger das Bargeld selbst ab.

Wie attraktiv ist ein rein digitales Bezahlsystem für die Banken?

Für digitales Bezahlen fallen Gebühren an. Der gesamte Einzelhandel muss für jeden digitalen Bezahlvorgang zum Teil hohe Gebühren an die Banken zahlen. Natürlich wird diese Leistung an den Verbraucher weitergegeben. Einen Nutzen vom reinen Giralgeld hat übrigens auch der Staat   – er bekommt noch mehr Transparenz.

Sie haben in einer Petition fast 120 000 Unterschriften gesammelt. Worum geht es Ihnen?

Es gibt aktuell eine einzigartige Chance, das Bargeld europaweit gesetzlich zu schützen. Dies liegt daran, dass der E-Euro eingeführt und wie das Bargeld gesetzliches Zahlungsmittel werden soll. Dafür wurden Verordnungsvorschläge für den E-Euro und das Bargeld herausgebracht. Das Problem dabei ist, dass der E-Euro im Handel einen Annahmezwang erhalten soll   – das Bargeld jedoch nicht. In der Petition bargelderhalt.eu fordern wir, dass Bargeld ebenso einen Annahmezwang erhält. Wenn dies nicht geschieht, wird der E-Euro das Bargeld verdrängen.

Warum bedroht die Abschaffung von Bargeld aus Ihrer Sicht denn die Freiheit?

Am Bargeld hängt die Freiheit. Eine freie Gesellschaft braucht ein freies Zahlungsmittel. Bei jedem digitalen Zahlungsvorgang ist man unmittelbar lokalisierbar. Die Folgen daraus sind vielzählig, insbesondere wenn der gute Staat zu einem fragwürdigen Staat mutieren sollte. Ohne Bargeld wäre die Basis gelegt, um den Bürger beliebig zu kontrollieren und zu steuern.

Noch sind wir weit davon entfernt, dass der Staat unsere Konsumgewohnheiten überwacht. Kann sich das ändern?

Der Staat drängt die Menschen immer weiter in die Digitalisierung. Das Problem ist, dass alles, was digital ist, auch die Überwachungsmöglichkeit vergrößert. Was mich bedenklich stimmt ist, dass der Staat immer stärker in die Verdrängung des Bargeldes aktiv eingreift. So lehnen bereits die ersten Schwimmbäder, Bürgerbüros und öffentlichen Verkehrsbetriebe Bargeld ab. Der Staat schließt somit Menschen von der öffentlichen Teilhabe aus.

In Ihrem Buch schildern Sie den bargeldlosen Umgang in der Familie. Was ginge Ihrer Meinung nach verloren?

Wenn der Opa seinem Enkel 50 Euro schenkt und das nur noch per Click geschieht, geht etwas Entscheidendes verloren. Die Umarmung und Wertschätzung etwa, nachdem der Briefumschlag mit dem Geldschein geöffnet wird. Auch das Zurücklegen von Geld, das Sparen in einem Sparschwein ist nur mit Bargeld möglich.

Dennoch schätzen viele den Einsatz von bargeldlosen Zahlungsmitteln. Wie könnte ein Kompromiss aussehen?

Ein guter Kompromiss wäre, das Bargeld nicht zu diskriminieren, sondern die Wahlfreiheit des Bezahlens wieder herzustellen. Also, dass der Handel verpflichtet wird, auch Bargeld anzunehmen. Dafür muss eine gesetzliche Regelung her. Ohne dem wird Bargeld keine langfristige Überlebenschance haben.

Wer ist Hansjörg Stützle?

Hansjörg Stützle, 1970 in Waldshut geboren, wird nach einem Realschulabschluss Kaufmann und widmet sich im Betrieb des Vaters der Unternehmensentwicklung. Er spezialisiert sich auf die Sanierung von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Der nach seinen Maßstäben wertvolle Umgang mit Geld wird zum Steckenpferd des Uhldingers. Er bietet Kunden seit zwei Jahrzehnten Seminare und Einzelberatungen als Geldumgangstrainer an.


Quelle: Hansjörg Stützle  – Wertvoll Leben

Quelle: https://bargeldverbot.info/2025/03/19/stz-interview/


Info: https://seniora.org/index.php?option=com_acym&ctrl=fronturl&task=click&urlid=86&userid=3998&mailid=2677


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30.03.2025

Der Liberalismus ist tot – und das tritt danach ein

freedert.online, vom 29 Mär. 2025 20:37 Uhr,Von Dmitri Trenin

Der Ausdruck "sich verändernde Weltordnung" ist zu einem gängigen Refrain in internationalen Angelegenheiten geworden. Dabei wird jedoch oft übersehen, wie schnell sich diese Veränderungen vollziehen – und wer sie beschleunigt. In Trumps Welt halten Großmächte keine Moralpredigten – sie konkurrieren.


Quelle: Gettyimages.ru © Getty Images


US-Präsident Donald Trump sieht von der Präsidentenloge im Opernhaus des John F. Kennedy Center for the Performing Arts hinab.


In den internationalen Beziehungen resultieren Regimeänderungen in der Regel aus Krisen: durch Kriege zwischen Großmächten oder Umwälzungen innerhalb dieser. Dies war 1939 bis 1945 und erneut 1989 bis 1991 der Fall. Üblicherweise häufen sich die Probleme über Jahre und Jahrzehnte an, und die Problemlösung kommt unerwartet: Die langsame Bewegung der tektonischen Platten beschleunigt sich plötzlich dramatisch und setzt eine Lawine in Gang, die die Landschaft in kürzester Zeit verändert. In den letzten Wochen hatten wir die Gelegenheit, etwas Ähnliches zu beobachten. Am auffälligsten ist, dass die Haupttriebkraft für diese Veränderungen die Staatsführung war, die bisher die Überreste der alten Weltordnung am hartnäckigsten, ja sogar am erbittertsten, zu verteidigen versuchte.


Atomverhandlungen: Iran zu indirekten Gesprächen mit den USA bereit





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Der lange vorhergesagte und mit Vorsicht erwartete Niedergang der Unipolarität ist früher als geplant eingetreten. Die USA – deren Rolle lange Zeit darin bestand, den liberalen Internationalismus durchzusetzen – versuchen nicht mehr, den Übergang zu einer multipolaren Welt zu verhindern. Vielmehr schließen sie sich ihm unter Donald Trump selbst an.

Dieser Schwenk stellt nicht nur ein Wahlversprechen oder eine rhetorische Wendung dar. Es handelt sich um einen strukturellen Bruch. Innerhalb weniger Wochen gingen die USA vom Widerstand gegen die multipolare Ordnung zu dem Versuch über, diese unter neuen Bedingungen zu dominieren – weniger Moralismus, mehr Realismus. Damit trägt Washington – möglicherweise ohne Absicht – genau zu dem Ergebnis bei, das frühere US-Regierungen so hartnäckig zu verhindern versuchten.

Trumps Amtsantritt zieht weitreichende und dauerhafte Folgen nach sich. Der mächtigste Weltakteur verzichtete darauf, weiterhin die Rolle des Beschützers des liberalen Globalismus zu spielen, und wandte sich etwas Pragmatischerem zu: der Großmachtkonkurrenz. An die Stelle der Menschenrechts- und Demokratieförderung trat das Motto "America First", und zwar nicht nur auf innenpolitischer Ebene, sondern auch in den Außenbeziehungen.

Unter dem neuen US-Präsidenten wurden die Regenbogenfahnen der Black-Lives-Matter-Bewegung und die "Buchstabensuppe" des westlichen Liberalismus ad acta gelegt. Stattdessen hisst er selbstbewusst die Nationalflagge und signalisiert damit Verbündeten und Gegnern gleichermaßen: In der US-Außenpolitik geht es jetzt um Interessen, nicht um Ideologien.


Trump-Gesandter Witkoff: Russland will "zu 100 Prozent" nicht in Europa einmarschieren



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Das ist keine Theorie, es ist ein geopolitisches "Erdbeben".

Erstens ist Multipolarität nicht mehr nur eine Hypothese. Trump konnte die USA von einem Verfechter der Unipolarität zu einem Akteur der Multipolarität machen. Seine Doktrin – "Wettbewerb der Großmächte" entspricht eher der realistischen Tradition als dem Liberalismus, der in Washington nach dem Ende des Kalten Krieges jahrzehntelang dominierte.

Nach dieser Doktrin besteht die Welt aus souveränen Polen: den USA, China, Russland und Indien – jedes Land verfolge seine eigenen Interessen, wobei diese manchmal im Konflikt zueinander stehen, manchmal sich überschneiden. Zusammenarbeit entstehe nicht aus gemeinsam geteilten Werten, sondern aus gemeinsamen Bedürfnissen. Dies entspricht der Welt, in der sich Russland gut auskennt – und in der es sich wohlfühlt.

Zweitens bedeutet die Wende Washingtons zum Realismus einen fundamentalen Kurswechsel in seinen Weltbeziehungen. Die Ära der liberalen "Kreuzzüge" ist vorbei. So stellte Trump die Finanzierung der USAID ein, kürzte die Budgets für die "Demokratieförderung" und zeigte sich bereit, mit Regimen aller Art zusammenzuarbeiten – solange sie US-amerikanischen Interessen dienen.

Dies ist eine Abkehr von den binären Moralkonzepten der Vergangenheit. Ironischerweise entspricht es eher Moskaus eigener Weltsicht. Unter Trump versucht das Weiße Haus nicht mehr, Liberalismus zu exportieren, sondern vielmehr über die Macht Verhandlungen zu führen.


Trump beginnt einen kleinen Krieg im Nahen Osten - Was steckt dahinter?




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Drittens: Es gibt keinen "Westen" mehr, wie wir ihn kannten. Der durch eine gemeinsame Ideologie und transatlantische Solidarität definierte liberale "Kollektive Westen" existiert nicht mehr in seiner bisherigen Form. De facto zogen sich die USA aus ihm zurück, indem sie den nationalen Interessen Vorrang vor globalistischen Verpflichtungen einräumten.

Übrig bleibt nur ein zersplitterter Westen, gespalten zwischen nationalistisch geführten Regierungen wie der Trumps und traditionelleren "Hochburgen" des Liberalismus in Brüssel, Paris und Berlin. Der Konflikt zwischen diesen beiden Visionen – Nationalismus versus Globalismus – stellt nun den maßgeblichen Politikkampf im gesamten Westen dar.

Dieser Kampf wird noch lange andauern. Trumps Dominanz mag auf den ersten Blick als gesichert erscheinen, doch es gibt weiterhin starken innenpolitischen Widerstand. Sollten die US-Republikaner die Zwischenwahlen 2026 verlieren, könnten Trumps politische Ambitionen zur Durchsetzung seines Programms eingeschränkt werden. Außerdem darf er laut dem US-Verfassungsrecht bei den Präsidentschaftswahlen 2028 nicht mehr als Kandidat antreten, was bedeutet, dass ihm nur wenig Zeit zum Handeln bleibt.

Während der Westen zerbricht, wird die "Weltmehrheit" – als eine Art informelle Koalition von Nicht-Westblock-Staaten – immer stärker. Ursprünglich wurde dieser Begriff als Bezeichnung für Staaten eingeführt, die sich gegen Sanktionen gegen Russland und Waffenlieferungen an die Ukraine aussprachen. Heute repräsentiert er eine viel umfassendere politische Neuausrichtung in der Welt.


Verhandlungen von Moskau und Washington in Riad – Beginn eines langen Weges




Analyse

Verhandlungen von Moskau und Washington in Riad – Beginn eines langen Weges






Bei der "Weltmehrheit" handelt es sich nicht um ein formelles Bündnis, sondern um eine gemeinsam vertretene Position: Vorrang der Souveränität vor Unterordnung, des Handels vor der Ideologie, der Multipolarität vor der Hegemonie. Die BRICS, die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) und andere regionale Zusammenschlüsse entwickeln sich zu echten Alternativen zu den vom Westen geführten Institutionen. Der Globale Süden stellt keine Peripherie mehr dar, sondern ist eine Weltbühne.

Wir sind Zeugen der Konsolidierung einer neuen "Großen Drei": USA, China und Russland. Wahrscheinlich wird sich ihnen Indien anschließen. Es handelt sich nicht um ideologische Verbündete, sondern um Zivilisationsmächte, die jeweils ihren eigenen Weg verfolgen.

Deren Beziehungen basieren auf Transaktionen, nicht auf Sentimentalität. So gelang China während der russischen Militäroperation in der Ukraine einen Balanceakt: Das Land unterhält eine strategische Partnerschaft mit Moskau und sichert sich gleichzeitig den Zugang zu den westlichen Märkten.

Das ist kein Verrat, sondern diplomatisches Geschick. In der multipolaren Welt achtet jeder Akteur auf seine eigene Flanke. Russland respektiert das. Und es verhält sich zunehmend auf dieselbe Art und Weise.

Ein weiteres Thema betrifft die Positionierung Moskaus in der neuen "Weltordnung". Russland konnte in den vergangenen zwei Jahren an Eigenständigkeit und Durchsetzungsvermögen gewinnen und wurde zu einem zentralen Akteur im Weltordnungssystem. Der Ukraine-Krieg und die Widerstandsfähigkeit der russischen Wirtschaft, Gesellschaft und Armee führten zu einer veränderten globalen Wahrnehmung.


Interview mit Werner Rügemer: Trumps "America First" – ein Strategiewandel der USA?





Analyse

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Russland wird nicht mehr als Juniorpartner oder Regionalmacht behandelt. Es steht nun auf gleicher Augenhöhe mit Washington, Peking und Neu-Delhi. Diese Veränderung ist nicht nur in der Diplomatie sichtbar, sondern auch im globalen Logistiksystem: neue eurasische Handelskorridore, erweiterte BRICS-Zusammenarbeit und zunehmende Verwendung nationaler Währungen im Handel.

Der Ukraine-Konflikt bestätigte den Status Russlands als eine der führenden Weltmächte, die in der Lage ist, ihren berechtigten Platz in dieser Welt einzunehmen. Wir dürfen uns keinen Illusionen hingeben und uns entspannen. Dass Amerika sich indessen dem Realismus zuneigt, ist das Resultat des von der russischen Armee erzielten Erfolgs, der Widerstandsfähigkeit der russischen Wirtschaft und der Einheit des russischen Volkes.

Es ist jetzt wichtig, diese Dynamik fortzusetzen. Auch wenn die USA sich in Richtung Realismus umorientierten, bleiben sie doch ein Konkurrent für uns. Russland muss seine technologische Souveränität weiter stärken, die Beziehungen zu Asien vertiefen und eine Außenpolitik betreiben, die auf Pragmatismus und nicht auf Nostalgie basiert.

Russland sollte weiterhin die innenpolitischen Konfrontationen im Westen im Auge behalten – insbesondere den US-Präsidentschaftswahlzyklus und die Spannungen innerhalb der EU. Allerdings sollte es seine Politik nicht mehr von der Akzeptanz oder Billigung des Westens abhängig machen. Hinzu kommt, dass der Dialog zwischen Moskau und Washington zu immer angespannteren Beziehungen zu den westeuropäischen Ländern führt.


Alexander Dugin: Die Ideologie des Trumpismus wird die USA und die Welt verändern (Teil I)





Meinung

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Die Einheit des Westens hängt zunehmend von auferlegten Bedingungen ab, demonstriert Merkantilismus und Widersprüchlichkeit. Frankreich, Deutschland und Italien könnten mit politischen Turbulenzen konfrontiert sein. Die Integration könnte ins Stocken geraten. Russlands Engagement muss daher taktischer Natur sein die Ohren steif halten, ohne die Karten offen auf den Tisch zu legen.

Es lohnt sich nicht, auf den Moment zu warten, in dem eine neue Weltordnung proklamiert wird – sie ist bereits da. Es handelt sich nicht mehr nur um eine theoretische Frage. Jetzt beginnt der Kampf um die Weltmachtpositionen. Die Welt wurde nicht deshalb multipolar, weil jemand es wollte, sondern weil es zu einer Machtverschiebung kam. Die Ursache dafür liegt nicht allein bei Trump. Aber er – vielleicht unbewusst – beschleunigte diesen Prozess.

Russlands Aufgabe ist es nun, nicht die Fehlerhaftigkeit der alten Weltordnung zu betonen, sondern seinen Platz in der neuen zu sichern.

Übersetzt aus dem Englischen.

Dmitri Trenin ist Forschungsprofessor an der Moskauer Higher School of Economics und leitender Forscher am Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen. Außerdem ist er Mitglied des russischen Rates für internationale Angelegenheiten.


Mehr zum Thema - Die Lösung des Konflikts in der Ukraine geht in kleinen Schritten voran


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30.03.2025

Waltz' Missgeschick sorgt für Hauen und Stechen in Trumps Gefolgschaft

freedert.online, 29 Mär. 2025 20:05 Uhr,Von Walentin Bogdanow

Die – versehentliche? – Einladung eines von US-Präsident Trump verachteten Journalisten in einen geheimen Chatroom verschärft die traditionellen Spannungen zwischen den Vertretern der Außen- und der Sicherheitspolitik der USA. Hinzu kommt, dass auch die Gräben zwischen Falken und Tauben immer tiefer werden.


Quelle: Gettyimages.ru © Win McNamee/Getty Images


Washington, DC, USA: Mike Waltz, nationale Sicherheitsberater, während eines Botschaftertreffens mit US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus, 25. März 2025


Zwei Monate währten die "Flitterwochen" zwischen den Außenpolitik- und Sicherheitsteams von Donald Trump. Vielleicht hätten diese sogar noch länger gedauert (denn die in Einzelteile zerlegten US-Demokraten sind zu nichts mehr imstande), aber den Gegnern der frisch Vermählten kam ein Missgeschick zu Hilfe. Der erfahrene und abgebrühte Chefredakteur von The Atlantic, Jeffrey Goldberg, konnte ihnen zwei empfindliche Schläge verpassen. Zum einen, als er von Mike Waltz, dem Nationalen Sicherheitsberater, versehentlich in einen geheimen Chatroom eingeladen wurde. Und dann, als er die aussagekräftigsten Screenshots aus diesem Chat als "Kontrollschuss" veröffentlichte.


CIA spricht Machtwort über Datenleck im Signal-Chat des Weißen Hauses





CIA spricht Machtwort über Datenleck im Signal-Chat des Weißen Hauses






Es hatte keinen Sinn, es zu leugnen, denn jede Ausrede von Trump, Waltz oder US-Verteidigungsminister Hegseth (er war derjenige, der in besagtem Chat des Messengerdienstes Signal detailliert darlegte, wie sich F-18-Kampfjets auf einen Angriff auf die Huthi im Jemen vorbereiteten) hätte wie eine Falle gewirkt. Schließlich wurden sie von den Wählern gewählt, um die endlosen Lügen und Orwell'schen Aussagen des US-Präsidenten Biden – der Krieg sei der Frieden und so weiter und so fort – endlich hinter sich zu lassen. Für die US-Demokraten hätte das Ganze nicht besser laufen können.

Die Erzählungen der Pressesprecherin des Weißen Hauses Levitt, Goldberg sei ein unehrlicher Mann (er pflege Beziehungen zur Clinton-Familie über seine Frau Pamela, die für sie gearbeitet habe, und habe zu "Russiagate" und dann zu Trumps erstem Amtsenthebungsverfahren beigetragen), werden durch eine einfache Tatsache zunichte gemacht: Nicht der von Trump bereits kritisierte Signal-Messenger versagte, sondern sein Vertrauter Waltz. Denn es ist dessen Kontaktliste (was den US-Präsidenten besonders verärgerte) in der der vom Herrscher des Weißen Hauses gehasste Chefredakteur von The Atlantic auftauchte.

Stand der US-Außenminister unter Alkoholeinfluss?

CIA-Direktor Ratcliffe und die Direktorin des Nationalen Geheimdienstes Gabbard waren die Ersten, die in die Schusslinie gerieten. Sie waren auf dem Weg zum US-Senat, um über aktuelle Bedrohungen für Amerika zu sprechen, aber als Teilnehmer desselben skandalösen Chats landeten sie schließlich selbst auf der Liste dieser Bedrohungen. Wenn man den US-Demokraten den kleinen Finger gibt, nehmen sie gleich die ganze Hand.


"Niemand textet Kriegspläne" – Pentagon-Chef gerät nach Geheimchat-Panne unter Druck



"Niemand textet Kriegspläne" – Pentagon-Chef gerät nach Geheimchat-Panne unter Druck





Während der Anhörung des Geheimdienstausschusses wurde ein weiterer Teilnehmer dieses Chatrooms, der US-Sonderbeauftragte Witkoff, begrüßt. Er befand sich zum Zeitpunkt des Chat-Nachrichtenaustauschs in Moskau – die "russische Spur" ist also aufgedeckt. Auf heimtückische Weise erinnerten die Senatoren auch an die Alkoholsucht des US-Verteidigungsministers, die bei seiner Ernennung diskutiert wurde. "Stand Pete Hegseth eigentlich nicht unter Alkoholeinfluss?", fragte ein US-Senator schmunzelnd.

All dies ist natürlich politisches Gezänk ohne klares Ergebnis. Trump stellte bereits klar, dass es keine Rücktritte geben werde. Da die US-Demokraten nicht über eine Mehrheit in beiden Häusern des US-Kongresses verfügen, können sie nichts gegen Trumps Verbündete unternehmen. Klageandrohungen von liberalen Menschenrechtsaktivisten richten sich in erster Linie an Fernsehzuschauer und Radiohörer. Das Hauptproblem liegt jedoch woanders.

"Europäische Schmarotzer"

Aus dem Chat-Nachrichtenaustausch und den Reaktionen darauf lässt sich eine wichtige Schlussfolgerung ziehen. Wie so oft bei republikanischen US-Regierungen sind sich Trumps außen- und sicherheitspolitische Blöcke in ihren Standpunkten nicht so einig, wie es scheint. In einem von The Atlantic veröffentlichten Chat-Screenshot ist zu lesen, dass Vance die Notwendigkeit von Angriffen gegen die Huthi anzweifelt und mit Waltz darüber streitet. Er und Rubio sind Falken. Gabbard, Ratcliffe und Hegseth sind Tauben. Beide Teams greifen sich schon gegenseitig an. So wurde Waltz bereits für Goldbergs Auftauchen in der Chatgruppe verantwortlich gemacht: Dieser sei nicht zufällig in der Chatgruppe aufgetaucht, sondern weil er vor langer Zeit Informationen zugespielt bekommen habe. Hegseth hingegen wurde der Vorwurf gemacht, er habe die geheimen Informationen veröffentlicht. Was beide Seiten eint, ist eine wenig schmeichelhafte Einschätzung der Alten Welt. "Europäische Schmarotzer" – diese harte Definition findet sich in dem offengelegten Chat-Nachrichtenaustausch.


Politico: Insider im Weißen Haus wollen Waltz wegen Jemen-Leak entlassen





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Gleichzeitig verschärfen sich die Widersprüche zwischen Falken und Tauben. Dies war bereits während der ersten Amtszeit von US-Präsident Trump der Fall. Unter US-Präsident Bush Jr. gab es auch Konflikte zwischen Colin Powell und Donald Rumsfeld. Die einzige Ausnahme war Henry Kissinger, der sich selbst als den einzigen US-Außenminister bezeichnete, der mit dem Nationalen Sicherheitsberater zurechtkam – schließlich bekleidete er beide Ämter gleichzeitig.

Übersetzt aus dem Russischen.

Walentin Bogdanow ist Leiter des Büros der russischen Mediaholding WGTRK in New York. Diesen Kommentar verfasste er exklusiv für RT.


Mehr zum Thema - Reaktionen auf Chat-Skandal in Trump-Administration: "Schlampig, nachlässig, inkompetent"


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30.03.2025

Wer braucht die Militarisierung Europas?

freedert.online, 30 Mär. 2025 07:00 Uhr,Von Wladimir Dobrynin

Die parasitären EU-Politiker erwarten, dass sie alles bekommen werden, was sie wollen. Und sie werden für nichts die Verantwortung tragen müssen, selbst wenn etwas (oder alles) schiefgeht. Auch wenn der Krieg, für den sie sich Geld leihen, nicht stattfindet, wird die EU-Elite ihr Geld bekommen.




© Getty Images / Allexxandar


Symbolbild


Nicht einmal fünf Jahre, nachdem die EU nach COVID-19 ein grandioses "Konjunkturprogramm" verabschiedet hatte, hat der Staatenverbund bereits ein weiteres, noch ehrgeizigeres Programm. Diesmal geht es um die Militarisierung Europas.


In den Krieg gelogen: Zensur und Propaganda führen die EU in die Katastrophe





Meinung

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Frankreich und Großbritannien diskutieren leidenschaftlich, aber auch irgendwie verwirrt über die "Notwendigkeit und Möglichkeit", ihre "Friedenstruppen" in der Ukraine zu stationieren (ich hoffe, niemand muss hier die Rechtmäßigkeit der Anführungszeichen erklären). Gleichzeitig reduzieren sie ständig die Größe der Truppen, die entsendet werden soll.

Die spanische Regierung überweist heimlich eine Milliarde Euro an Kiew, ohne dass das Parlament zustimmen muss, das aber wissen will, wofür die Milliarde ausgegeben wird (oder wurde).

Das Europäische Parlament hat dafür gestimmt, der Ukraine weitere 3,5 Milliarden Euro an Hilfe zukommen zu lassen – egal ob es sich um Kredite oder nicht rückzahlbare Zuschüsse handelt.

Die Europäische Kommission debattiert darüber, wie viel mehr sie der Ukraine in naher Zukunft zur Verfügung stellen soll – 40 oder 20 Milliarden Euro.

Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk hat eine obligatorische (!) Militärausbildung für Polen angekündigt.

"Die europäische Gemeinschaft ist in Gefahr", heißt es in den EU-Medien, Aufrüstung ist nicht verhandelbar, die Schaffung einer einheitlichen europäischen Armee ist notwendig, weil die "Bedrohung aus dem Osten" unaufhaltsam ist. Krieg kostet Geld. Und zwar viel mehr als die 723,8 Milliarden Euro, die für den Wiederaufbau der EU-Wirtschaft nach der Pandemie bereitgestellt (oder besser gesagt: geliehen) wurden. Und die 800 Milliarden Euro, die heute für zusätzliche Militärausgaben gefordert werden, sind nur der Anfang.

Krieg ist ein teures Unterfangen (für die Mehrheit) und profitabel (für einige). Die Kontrolle über die Ausgaben der an den militärisch-industriellen Komplex überwiesenen Mittel ist minimal und stark eingeschränkt, während die Gewinne der waffenproduzierenden Unternehmen und – das ist die Hauptsache – die Schmiergelder an verschiedene EU-Finanzinstitute riesig und unbemerkt bleiben.


Kopfzerbrechen in Brüssel: Wie finanziert man den nächsten großen Krieg?





Analyse

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Suchen Sie im Internet mal nach Antworten auf die Frage, warum die Europäische Kommission (oder besser – speziell Ursula von der Leyen) Pfizer für den sogenannten COVID-19-Impfstoff zu viel bezahlt hat (und dabei geht es nicht um eine Million, sondern um Milliarden Euro). Die Frau Vorsitzende der EU-Kommission hatte als deutsche Verteidigungsministerin gearbeitet, bevor sie in dieses Amt aufstieg. Damals hatten auf ihre Anregung hin einige ausländische Beratungsfirmen ihre Dienste der Bundeswehr für 700 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Nach Ansicht deutscher Experten hätten inländische Berater die gleiche Arbeit für 165 Millionen Euro erledigt. Warum hatte man sich für Ausländer entschieden? Die Antwort von Ursula steht noch aus. Aber wie es scheint, ist gleich aus dem ersten Pfannkuchen etwas geworden, wonach Frau von der Leyen ihre Praxis auf die Pandemie ausgeweitet hat. Nun hat sie ihre EU-Kollegen und die hinter ihnen stehenden Persönlichkeiten von der Notwendigkeit überzeugt, einen weiteren Kredit für "universelle Verteidigung und Sicherheit" aufzunehmen. Die Rückzahlung wird auf die EU-Mitglieder verteilt. Offenbar über mehrere Generationen hinweg.

Wirtschaftswissenschaftler, die sich mit den Ergebnissen der COVID-19-Periode befassen, verweisen in erster Linie auf die beschleunigte Kapitalkonzentration, die zu dieser Zeit stattfand. Die Zwänge betrafen vor allem das Kleinkapital, die autonomen Produzenten, die Selbstständigen und bestimmte Wirtschaftszweige wie das Verkehrswesen oder den Tourismus, das heißt diejenigen, deren Eigentumsstruktur bis dahin zersplittert oder ganz individuell war. Dank des Zusammenbruchs zahlreicher solcher Unternehmen konnte das Großkapital diese zu einem reduzierten Preis aufkaufen und nach dem Ende der Pandemie die Gewinne maximieren.

Es hat keinen Sinn, darüber zu streiten, wie gefährlich die Krankheit oder wie wirksam der Impfstoff war. Es gibt ein Ergebnis – die Aushöhlung, den Zusammenbruch und den Bankrott der Mittelschicht. Die Situation hat sich zugunsten des Großkapitals entwickelt. Die westlichen Medien versuchen natürlich, die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass dies alles ein Zufall war. Heute gibt es einen weiteren Zufall der gleichen Art.

Was erwartet Europa, das sich auf eine Verschuldung von fast einer Billion Euro eingelassen hat? Die EU-Wirtschaft leidet stark unter dem Mangel an russischen Rohstofflieferungen. Niemand wird es offen zugeben, weil es gegen die Politik der Europäischen Kommission verstößt, aber die Rentabilitätsprobleme bestimmter deutscher Industrien sind der Beweis dafür, dass die Sanktionen Europa wie ein Bumerang getroffen haben. In einer solchen Situation müssen Arbeitsplätze mithilfe von Krediten gerettet werden, aber niemand will sie für die Entwicklung ziviler Industrien wie den Wiederaufbau des angeschlagenen Verkehrs- und Tourismussektors zur Verfügung stellen, weil die Rendite zu niedrig ist. Bei der Elektronik ist die Situation noch schlimmer: Der Preiswettbewerb mit China könnte die Rentabilität der Branche auf null reduzieren.

Die beste Investition von Kreditgeld ist der Krieg. Er ist rentabler. Daran besteht kein Zweifel, denn er begleitet die Menschheit seit ihren Anfängen. Da die europäischen Ressourcen in der Ukraine bereits weitgehend erschöpft sind, müssen neue gefördert werden. Aber wo? In Russland natürlich. Oder besser gesagt – auf seinem Territorium, denn "fördern" wird nicht als "ein Joint Venture bilden" verstanden. Es bedeutet, "zu zerstückeln, ein Stück von dem zu nehmen, was man kann, und die überlebenden Russen zu zwingen, alles auszugraben und abzupumpen, was da ist".


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Dafür braucht man eine neue Armee, Aufrüstung und einen großen Kredit, erklären die EU-Politiker. Obwohl nicht ganz klar ist, ob sie die Lektionen der Geschichte überhaupt verstanden haben und nicht wissen, dass ein neuer Drang nach Osten in einem noch größeren Scheitern enden kann als der vorherige.

Der Clou ist jedoch, dass dieser neue "Drang nach Osten" vielleicht gar nicht stattfinden wird, aber mit seiner Vorbereitung viel Geld zu verdienen ist. Europäische Beamte erteilen die Aufträge und übernehmen auch die Verantwortung für die Kontrolle der Ausführung. Es gibt nur wenige Konkurrenten, und nur ein Minimum an Experten darf das Programm bewerten, und diese werden entsprechend verköstigt.

Betrug ist heute sogar noch leichter zu bewerkstelligen als zu Zeiten der Pandemie. Die Deutschen haben in dieser Hinsicht viel Erfahrung aus dem letzten Jahrhundert, als die Tycoons Thyssen und Krupp in Hitlers NSDAP investierten, die sie dann mit Aufträgen für die Rüstungsindustrie entlohnte. Obwohl das Dritte Reich den Krieg verlor, hat niemand die Kapitalisten später zur Rechenschaft gezogen.

Die derzeitigen europäischen Politiker-Mittelmänner-Parasiten erwarten, dass sie "alles" bekommen werden, was sie wollen. Und sie werden für nichts die Verantwortung tragen müssen, selbst wenn etwas (oder alles) schiefgeht. Auch wenn der Krieg, für den sie sich Geld leihen, nicht stattfindet, wird die EU-Elite ihr Geld bekommen, und danach kann selbst alles den Bach runtergehen, denn es werden die einfachen Bürger sein, die den Preis zahlen müssen.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 27. März 2025 zuerst auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.


Wladimir Dobrynin ist ein russischer Journalist.


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Video https://rumble.com/v6r8vcg-verschwrungstheorien-werden-wahrheit-trump-enthllt-geheimoperationen-der-ci.html Dauer 8:12 min


RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

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